Impulse: Profil als Partner der Stadt

Impulse: Profil als Partner der Stadt
  • 23. November 2023 | Lisa Knoll
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Zu Beginn des neuen Jahrtausends wuchs Oldenburgs Einwohnerzahl weiter an, zugleich veränderten sich die Wohnbedürfnisse. Für die GSG OLDENBURG hieß das: bewährte Konzepte durch neue ersetzen. Der Wechsel auf dem Geschäftsführerposten sorgte zusätzlich für Aufbruchsstimmung.

Mehr als drei Jahrzehnte hatte Dieter Holzapfel die Geschicke der GSG und seiner Heimatstadt Oldenburg geprägt, 2004 ging er in den Ruhestand. Eine Zäsur in der Historie des Unternehmens. Sein Nachfolger als Geschäftsführer wurde zum 1. Juli des Jahres Stefan Könner. Schon in einem seiner ersten Interviews gab sich Könner ausgesprochen zukunftsorientiert. „Mit dem, was wir bauen, und der Stadtentwicklung müssen wir die Fragen beantworten, die eigentlich in 20 Jahren gestellt werden“, sagte er der Nordwest-Zeitung am Ende seines ersten Monats im Amt. Zudem, so kündigte er an, wolle sich das Unternehmen „als Partner der Stadt profilieren“.

GSG GF Koenner 08

Der 45-jährige gebürtige Solinger Stefan Könner kam aus Hamburg nach Oldenburg. Hier hatte er beim Wohnungsbauunternehmen SAGA gearbeitet und anschließend das Gebäudemanagement am Universitätsklinikum Eppendorf geleitet.

Die GSG als Partner der Stadt – was das bedeuten sollte, zeigte sich bereits wenig später an prominenter Stelle. Als Investor wurde die GSG in der Burgstraße tätig. Anfang 2005 rollten die Bagger an, um die Flächen für quartierprägende Neubauten zu schaffen. Allerdings geriet der Zeitplan schon bald wieder ins Stocken: Archäologen hatten im Boden vermeintliche Überreste alter Mauern gefunden, die die Wissenschaftler genauer unter die Lupe nahmen. Bei den von der GSG mitfinanzierten Grabungen wurde am Ende eine Reihe mittelalterlicher Haushaltswaren sowie ein verschütteter historischer Graben entdeckt.

Die Neubauten rund um den öffentlich genutzten Innenhof gaben der Burgstraße ein neues Aussehen. Die Kombination aus innerstädtischem Wohnen und Arbeiten leistete einen bedeutenden Beitrag zur Aufwertung der Fußgängerzone.

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Trotz des durch die Untersuchungen und einen strengen Winter verspäteten Baubeginns konnten im April 2007 die ersten Mieter und Gewerbetreibenden in das gegenüber dem Staatstheater gelegene dreistöckige Wohn- und Geschäftshaus einziehen. Es verfügt über eine eigene Tiefgarage mit 105 Stellplätzen. Heute weiß man: Die Investition in Höhe von rund acht Millionen Euro hat sich gelohnt: Die Burgstraße, lange Zeit als Hinterzimmer der City eher gemieden als geliebt, ist endlich wieder vorzeigbar.

Neue Impulse in Bloherfelde

Besonders im Fokus blieben für die GSG parallel auch die Stadtteile, die in der Geschichte des Unternehmens stets eine wichtige Rolle gespielt hatten: Bloherfelde und Eversten. Hier hatte sich der 1997 gegründete und von der Stadt Oldenburg betriebene „Treffpunkt Gemeinwesenarbeit“ zu einem zentralen Ort mit breitem Programmangebot für die Anwohnerinnen und Anwohner entwickelt.

Zählbar

159.000

Menschen leben im Jahr 2005 in Oldenburg. Und die Einwohnerzahl steigt weiter an.

Nur ein paar Schritte weiter am Bloherfelder Markt begann die GSG, das Konzept einer modernen, seniorengerechten Wohnanlage zu realisieren. In Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Dienstleister für betreutes Wohnen und ambulante Pflege erarbeitete sie ein Angebot für Menschen, die zwar weiter selbstbestimmt, aber nicht allein leben und auf preisgünstige Betreuungsmöglichkeiten zurückgreifen möchten. Der Standort an der Bloherfelder Straße 173 war bewusst gewählt. Die Innenstadt ist nur knappe drei Kilometer entfernt und mit dem Bus bequem erreichbar. Eine Haltestelle befindet sich direkt vor dem Haus. Versorgungseinrichtungen wie Supermärkte und Bäckereien, Ärzte und Apotheken sind in Fußentfernung vorhanden. Und natürlich passten auch die beliebten Aktivitäten im benachbarten „Treffpunkt Gemeinwesenarbeit“ zur Idee.

Bloherfelde Betreutes Wohnen 03

Mit dem Bau der Anlage für Betreutes Wohnen in Bloherfelde betrat die GSG OLDENBURG Neuland.

Oldenburgs Einwohnerzahl war bis 2005 auf knapp 159.000 gestiegen. Seit Anfang der 1980er-Jahre hatte sie um 16 Prozent zugenommen. Keine andere Stadt in Niedersachsen wies eine ähnliche Bilanz auf. Weitere Zuwächse wurden anhand mehrerer Studien prophezeit. Oldenburg war längst zu einem äußerst attraktiven Arbeits- und Lebensort geworden. Die GSG blieb dennoch ihrer Linie treu, nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern bedarfsgerecht und bedürfnisorientiert zu bauen. Die Erkenntnis, dass etwa junge Familien mehr Platz benötigen als Paare im Seniorenalter, war schließlich nicht neu.

95 Spielplätze gehören 2006 zum Bestand der GSG. Zwei Teams mit je zwei Mitarbeitern übernehmen regelmäßig die Wartung.

Neue Wohnungen gab es nicht aus dem Katalog oder nach Schema F. Sie wurden individuell auf die jeweiligen Notwendigkeiten zugeschnitten. Das zeigte sich am Beispiel des neuen Wohnheims der Gemeinnützigen Werkstätten in Hundsmühlen. 24 Menschen mit geistigen Behinderungen fanden hier ein ideales Zuhause. Zu den Baukosten von rund 1,5 Millionen Euro steuerte das Land Niedersachsen zwei Drittel bei. Die Kooperation mit den Gemeinnützigen Werkstätten entwickelte sich fortan zu einer Partnerschaft, die rund 15 Jahre später sogar in einem gemeinsamen Unternehmen mündete.

Prinzip Passivhaus

Bei den Neubauplanungen setzte die GSG mehr und mehr auf Passivhäuser. Die funktionieren vereinfacht gesagt nach dem Prinzip der Winterjacke: In der ist es so mollig, weil sie die Körperwärme nicht nach draußen entweichen lässt. Auch beim Passivhaus wird der Heizenergiebedarf zu großen Teilen aus der Abwärme von Personen und technischen Geräten sowie durch das Sonnenlicht gedeckt. Weil es optimal wärmegedämmt ist, wird keine konventionelle Heizung benötigt. Betriebswirtschaftlich betrachtet dürfte sich ein Passivhaus nach etwa 15 bis 20 Jahren amortisiert haben, errechnete die Universität Oldenburg. Es verbrauche pro Quadratmeter Wohnfläche höchstens 15 Kilowattstunden an Wärmeenergie – im Jahr. Kein Wunder, dass sich beim von den GSG-Architekten Andreas Handke und Stephan Klein geplanten Prototypen im Oldenburger Stadtnorden die Interessierten die Klinke in die Hand gaben.

Stichwort Stadtnorden: Hier bewies die GSG einmal mehr ihre städtebauliche Kompetenz und Weitsicht. In einer Zeit, in der die verfügbaren Baugrundstücke knapper und knapper wurden, war es ihr gelungen, in unmittelbarer Nähe des stillgelegten Fliegerhorstes am Alexanderhaus ein rund 30 Hektar großes, Jahrhunderte lang vorwiegend landwirtschaftlich genutztes Gelände zu erwerben. Ein Areal mit Geschichte: Vor mehr als 450 Jahren hatte hier der spätere Namenspate Alexander Chronwold seinen Hof betrieben, später ließ Graf Anton Günther einen Karpfenteich anlegen. Zuletzt ritten Kinder auf Eseln über die Weiden.

Vieles von dem, was auf einer der ersten Skizzen des Gebiets Alexanderhaus rund um Schinkelstraße, Behrens-Ring und Mies-van-der-Rohe-Straße zu sehen war, wurde in der Bauzeit umgesetzt. Rechts: Stadtnah, aber dennoch mitten im Grünen gelegen: die Häuser an der Mies-van-der-Rohe-Straße. Links: Die 14 modernen Klinkerbauten an der Ecke Eiffelstraße/Semperstraße bilden den Semperhof.

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Ein neuer Stadtteil im Norden

Die GSG-Planer dachten groß. Ihre Vision sah nicht weniger vor als einen neuen Stadtteil. Idyllisch gelegen, natur- und zentrumsnah zugleich. Sie bereiteten eine enge Verbindung von Wohn- und Naturraum vor, mit dem Bachlauf der renaturierten Ofenerdieker Bäke als prägendem Element. Dass die Straßen allesamt nach bedeutenden Architekten benannt wurden, empfanden die Entwickler als Ansporn, städtebaulich etwas Besonderes zu schaffen. Und das gelang. Die sowohl mit als auch ohne Planungsbindung angebotenen Grundstücke fanden reißenden Absatz. Insgesamt wurden etwas mehr als 450 Gebäude errichtet – freistehende Einfamilienhäuser ebenso wie Reihen- und Doppelhäuser.

Qubi 12 1024

Egal, ob Singlehaushalt, Paar oder Familie: Für alle Lebenssituationen fanden sich am Alexanderhaus passende Lösungen. Großes Interesse finden die als „Qubi“ bezeichneten und von Architekt Andreas Handke entwickelten Wohnwürfel. Ihr ungewöhnlicher Zuschnitt kommt an. Herzstück des Gebiets ist bis heute der Semperhof, ein Wohnprojekt vorwiegend für Menschen in der zweiten Lebenshälfte: Die Kinder sind aus dem Haus, die Prioritäten verschieben sich.

Das Karree umfasst 14 ebenerdig und barrierefrei gebaute Häuser mit Wohnflächen zwischen 76 und 134 Quadratmetern. Zu den Grundstücken gehören Garagen bzw. Carports, Gärten und Terrassen. Dazwischen wurde eine Hoffläche angelegt, die mit ihren Bäumen, Blumen und Bänken die Aufenthaltsqualität zusätzlich steigert.

Das gilt im Übrigen für ganz Oldenburg. Und dazu trägt die GSG in den kommenden Jahren weiterhin maßgeblich bei, auch wenn die Herausforderungen sich ändern. Eine wirft bereits ihre Schatten voraus: der Neubau der Oldenburger Volkshochschule.

LESETIPP

Heft 4: Partner der Stadt

Der vierte und letzte Abschnitt der Zeitreise durch 100 Jahre GSG widmet sich den ersten beiden Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts. Darüber hinaus nimmt er die Zukunft des Wohnungsbaus ins Visier und zeigt, wie konkret sie bereits ist.

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© GSG OLDENBURG

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© Quelle und © Stadtmuseum Oldenburg

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