Innovationen: Wohnformen nach Maß

Innovationen: Wohnformen nach Maß
  • 09. November 2023 | Lisa Knoll
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Als sich das alte Jahrtausend allmählich dem Ende neigte, blickte die GSG OLDENBURG schon vorausschauend ins neue. Zielgruppengerechtes Bauen war daher das konzeptionelle Fundament, auf das man bei allen anstehenden Projekten künftig setzen wollte.

Mitte der 1990er-Jahre war die GSG mit rund 9.000 Wohnungen die größte Anbieterin von Wohnraum im Stadtgebiet. Große Bedeutung maß die Wohnungsbaugesellschaft nun vermehrt Kooperationen mit Institutionen und Trägern bei, darunter Beratungsstellen, Jugendhilfezentren und Einrichtungen für Menschen mit psychischen und körperlichen Erkrankungen.

Neben allen Plänen, die die GSG zur Erschließung neuer Wohngebiete und Wohnformen hegte, wollte man auch bereits bestehenden Quartieren gerecht werden. Schon in den 1980er-Jahren war vermehrt Kritik an der Wohnsituation im Kennedyviertel aufgekommen, die sozialen Missstände verschärften sich. Auch deshalb öffnete im September 1997 der Treffpunkt Gemeinwesenarbeit in Bloherfelde seine Türen. Bis heute ist er Anlaufstelle für Beratungen und dient den Bewohnerinnen und Bewohnern als Raum für Begegnungen.

Zählbar

250

DM

Preisgeld lobte die GSG 1998 für den schönsten Mieter-Balkon aus. Unter allen Teilnehmenden wurden Gutscheine für Pflanzen und Balkonzubehör verlost.

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Der ehemalige GSG-Geschäftsführer Dieter Holzapfel wird unter den interessierten Blicken der Kolleginnen und Kollegen zum ersten Nutzer des neuen „Chat Inn“.

Surfen im Kennedyviertel

Auch das Stadtteilbüro der GSG zog bald von der Bloherfelder Straße in die Kennedystraße und ist bis heute dort zuhause. Im Mai 2001 wurde hier in Zusammenarbeit mit dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) zudem das „Chat Inn“ eröffnet, in dem vor allem Jugendliche den sicheren Umgang mit dem Computer erlernen sollten. Auch bei vielen Erwachsenen weckte das Angebot Interesse, denn zu diesem Zeitpunkt hatte kaum jemand einen Computer oder kannte sich mit den gängigen Programmen aus.

Obwohl heute der Großteil der GSG-Mieterschaft ein Smartphone besitzt und jederzeit online sein kann, ist der Bedarf weiterhin da: 2021 feierte das „Chat Inn“ sein 20-jähriges Jubiläum. An Aufhören ist nicht zu denken, denn Siegfried Duchna vom CJD ist seit der ersten Stunde im „Chat Inn“ Ansprechpartner und hilft noch heute Kindern bei den Hausaufgaben und unterstützt ältere Bewohnerinnen und Bewohner beim Erledigen von Druckaufträgen.

Wissenswert

„Mieterzeitung durchs Fernsehen“

Mitte der 1990er-Jahre flimmerte die erste GSG-Mieterzeitung über die Bildschirme in der GSG-Zentrale. Die „Sieh mal“ sendete wichtige Informationen und Neuerungen aus dem Hause der Wohnungsbaugesellschaft in 20-minütiger Endlosschleife. Alle drei Wochen erschien eine neue Ausgabe. 1998 folgte das erste Mietermagazin in Print.

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Das Mehrgenerationenhaus Rügener Ring gehört seit 1995 zum Everstener Stadtbild.

Ein Mehrgenerationenhaus für Eversten

Die GSG demonstrierte über die Jahrzehnte immer wieder Bereitschaft, Wohnbedürfnisse älterer Menschen rechtzeitig aufzugreifen, und ergänzte das bestehende Wohnungsangebot fortlaufend. Bereits 1990 wurde eine weitere Stelle im Sozialen Dienst geschaffen, die – bis heute besetzt durch Stefanie Brinkmann-Gerdes – in den Folgejahren maßgeblich zum Erfolg zahlreicher Projekte zum Wohnen im Alter beitrug.

Im selben Jahr stellte die GSG am Rügener Ring ein zukunftsweisendes Bauprojekt fertig, das bis heute besteht. Unter dem Namen „Alt & Jung“ brachte man in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt Oldenburg Ältere und Alleinerziehende in zwölf Wohnungen als sich ergänzende Hausgemeinschaft zusammen.

1995 gehörten rund 600 barrierefreie Altenwohnungen zum Bestand, die Kaltmiete lag im Durchschnitt bei 8,60 DM pro Quadratmeter.

Im Fokus des Bauvorhabens stand die besondere Berücksichtigung von Wohnbedürfnissen Älterer und Alleinerziehender, die neue Formen von nachbarschaftlicher Solidarität entstehen ließ. Die großzügigen gemeinschaftliche Außenflächen und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Ärzte, Schulen und Kindergärten machten die Wohnungen am Rügener Ring zu einem überzeugenden Gesamtpaket. Die Hausgemeinschaft hatte sich bereits vor dem Einzug kennengelernt und das zukünftige Miteinander gemeinsam vorbereitet. Bis heute ist die Hausgemeinschaft eng verbunden und schlägt deshalb die Nachmietenden selbst vor – ein bewährtes Konzept, wie die vergleichsweise geringe Fluktuation belegt.

Für ihr zukunftsgerichtetes Engagement am Rügener Ring wurde die Hausgemeinschaft mehrfach mit Preisen ausgezeichnet: 2004 und 2007 als Landessieger beim Wettbewerb „Netzwerk Nachbarschaft“ sowie als Gewinner beim „Deutschen Altenhilfepreis“ 2007.

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Ohne Stufen und Schwellen

1994 zeichnete die Wohnungsbaugesellschaft für das erste nach DIN-Norm geplante Haus für Rollstuhlfahrer in Deutschland verantwortlich. In der Hermann-Tempel-Straße entstand ein Atriumhaus für sechs Parteien. Grundrisse und Ausstattung wurden gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern entwickelt.

Ein Wohnprojekt von Frauen für Frauen

Dass die GSG sich verstärkt dem bedarfsgerechten und bedürfnisorientierten Bauen zuwandte, zeigte sich auch 1996. An der Hermann-Tempel-Straße sollte ein Wohnprojekt entstehen, das gänzlich auf die Bedürfnisse von Frauen und Familien ausgerichtet war. „Sozialer Wohnungsbau heute bedeutet nicht mehr nur eine quantitative Versorgung mit Wohnraum“, so die GSG in ihrem Konzeptpapier zum Bauvorhaben. Sie bedürfe „im Sinne einer adäquaten Vermietung und Nachfrage einer gewissen Offenheit und Flexibilität“.

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In für den sozialen Wohnungsbau ungewöhnlicher Optik präsentierte sich 1998 die Wohnanlage für Frauen und Familien an der Hermann-Tempel-Straße.

Kinderzimmer, Bad und Küchen seien in vielen Sozialwohnungen zu klein, beklagte auch Oldenburgs Frauenbeauftragte Annette Fischer. Nach einem Entwurf der Architektinnen Karin Baatz und Andrea Geister-Herbolzheimer wurde 1998 eine Wohnanlage mit 28 Einheiten fertiggestellt.

Im Bilanzbericht des Niedersächsischen Innenministeriums aus dem Folgejahr heißt es, dass die Bewohnerinnen dem Wohnalltag eine „hohe funktionale, soziale und ästhetische Qualität“ zugesprochen hatten. Die Anlage belege, dass „qualitätsvolle Architektur und eine kommunikationsfördernde städtebauliche Form vielfältige Wohnbedürfnisse einer heterogenen Gruppe befriedigen“ könne.

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Gerhard Brüning

Der 1939 geborene Diplom-Ingenieur Gerhard Brüning stellte sein Können mehr als 30 Jahre in den Dienst der GSG OLDENBURG. Der gelernte Tischler und Holzbildhauer schloss obendrein auch eine Ausbildung als technischer Zeichner ab, bevor er sich schließlich dem Ingenieurswesen zuwandte. Seit 1973 hatte Brüning als Leiter der Technischen Abteilung zahlreiche stadtbekannte Bauprojekte verantwortet, darunter das ehemalige Schwesternwohnheim an der Klingenbergstraße und das Wohnprojekt Alt & Jung am Rügener Ring.

Gerhard Brüning

Auch die Wildschwein-Skulptur am Everstener Marktplatz und „der Korntrinker“ vor dem 2001 von der GSG neu gebauten Etzhorner Krug entstammen seiner kreativen Feder. Im September 2007 verstarb Gerhard Brüning im Alter von 68 Jahren.

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Eine moderne Zentrale für die GSG

Und zum ersten Mal baute man in diesen Zeiten auch in eigener Sache: Am 23. November 2001 erfolgte der Spatenstich für die neue GSG-Zentrale an der Straßburger Straße. Die Tage im alten Quartier an der Moltkestraße waren gezählt. In zentraler Lage mit direkter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr schuf man am Bahnhof einen Neubau mit großen Fensterflächen, lichtdurchflutetem Atrium und transparenten Wartezonen und Aufzügen. Vor allem die Anlieferung des imposanten, gläsernen Dachs per Kran sorgte für Aufsehen. Ein solches Unterfangen hatte man selten beobachten können. 2003 erfolgte der Umzug in die neue Zentrale.

Im Hause der GSG vollzieht sich zudem ein weiterer Wandel: Im Sommer 2004 wird Geschäftsführer Dieter Holzapfel nach 32 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Fortan wird sein Nachfolger Stefan Könner die Geschicke der Wohnungsbaugesellschaft leiten und sich den Herausforderungen der folgenden Jahrzehnte stellen.

LESETIPP

Heft 3: Aufbruch in die Moderne

Es tut sich mächtig was im Hause GSG: Maßgeschneiderte Wohnkonzepte erschließen neue Zielgruppen, personelle Umbrüche sorgen für frischen Wind. In den Stadtteilen halten soziale Projekte Einzug und machen den Mieterinnen und Mieter zum Kunden.

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