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Kooperation | Ratgeber

Interview mit Dorothee Rensen vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Oldenburg-Ammerland

  • 31. August 2023 | Lisa Knoll
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Die Inflation bringt viele Menschen in Situationen, in denen ihr monatliches Einkommen nicht mehr zum Leben reicht. In diesem Fall hilft die kostenlose Schuldnerberatung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Oldenburg-Ammerland. Leiterin Dorothee Rensen gibt Tipps für eine durchdachte Budgetplanung und zeigt Auswege aus finanziellen Engpässen auf.

Frau Rensen, wie gerät man in eine Situation, in der Verschuldung droht?

Dorothee Rensen:
Dafür kann es viele Gründe geben. Wir unterscheiden hier zwischen „Lebensschicksalen“ – also zum Beispiel eine plötzliche Arbeitslosigkeit, eine Erkrankung, die Trennung vom Partner oder die Geburt eines Kindes – und „unwirtschaftlicher Haushaltsführung“. Das bedeutet, dass man über seine Verhältnisse lebt. Oft hängen auch mehrere Ursachen zusammen.

Wie lässt sich eine Situation, wie Sie sie beschreiben, vermeiden?

Rensen: Überblick ist das A und O. Das geht am besten mit einer Übersicht über alle festen Einnahmen und Ausgaben, also zum Beispiel die Miete. Darin sollte man auch jährlich anfallende Kosten, etwa für Versicherungen, auf die Monate umrechnen. Aus einer solchen Auflistung geht schon recht gut hervor, wie das Einkommen auf die einzelnen Ausgaben verteilt wird und ob es eventuell Bereiche gibt, in denen man Geld einsparen könnte. Daraus lässt sich dann auch schnell ermitteln, wie viel variables Einkommen pro Monat noch zur Verfügung steht.
GSG Online Schuldnerberatung c Paritaetischer Wohlfahrtsverband Oldenburg Ammerland

Das Team der Schuldnerberatung leistet schnell und unkompliziert Hilfe (v.l.n.r.): Marlene Castens, Rita Brand, Dorothee Rensen und Inga Johannes.

Was meinen Sie mit „variablem Einkommen“?

Rensen: Das ist das Geld, das man für Lebensmittel, Freizeitgestaltung oder Kleidung ausgibt. Im nächsten Schritt sollte man ein Haushaltsbuch führen, um festzustellen, wie das variable Einkommen ausgegeben wird. Das lässt sich handschriftlich in einem Notizbuch oder auch digital per App erledigen. So ist die Kontrolle über die eigenen Ausgaben gewährleistet und man kann schnell gegensteuern, falls man einmal mehr ausgibt als geplant.

Und wie lassen sich Sonderausgaben kalkulieren, zum Beispiel für einen Urlaub oder neue Möbel?

Rensen: Grundsätzlich gilt: erst etwas ansparen, dann kaufen. So gebe ich nur das aus, was ich auch wirklich zur Verfügung habe. Außerdem ist es empfehlenswert, monatlich etwas Geld für ein kleines Sparpolster zurückzulegen, falls zum Beispiel die Waschmaschine kaputtgeht. Bevor man neue Zahlungsverpflichtungen eingeht – Handyverträge, Abonnements oder eine Mitgliedschaft im Fitness-Studio – sollte man kritisch prüfen, ob man diese Neuerung wirklich braucht und ob sie auch dauerhaft finanziert werden kann. Außerdem sollte in der Familie bzw. Partnerschaft offen über die finanziellen Möglichkeiten gesprochen werden.

Was sind Warnsignale, die man kennen sollte?

Rensen: Am besten ist es, die eigenen Finanzen regelmäßig zu überprüfen und schon dann zu reagieren, wenn am Ende des Monats weniger Geld zur Verfügung steht als üblich oder wenn Veränderungen im Leben anstehen, etwa die Verrentung. Spätestens, wenn der Dispo in Anspruch genommen werden muss oder immer weiter ausgereizt wird, sollte die Notbremse gezogen werden. Das heißt konkret: Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich Hilfe suchen! Aus der Schuldenfalle gibt es immer einen Ausweg. Eine soziale Schuldnerberatung, wie wir vom Paritätischen sie gewähren, ist grundsätzlich kostenfrei. Termine sind kurzfristig innerhalb von ein oder zwei Wochen erhältlich. In Notfällen, wie bei einer Kontenpfändung, helfen wir auch umgehend.

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hat das Team der Schuldnerberatung des Paritätischen 2022 bei der Schuldenregulierung unterstützt. Hinzu kamen 471 Kurzberatungen (z. B. einmalige Gespräche zur Budgetplanung) sowie 137 Onlineberatungen. Tendenz: steigend.

Wie läuft eine Schuldnerberatung bei Ihnen ab?

Rensen: Als erstes steht ein Überblick über die finanzielle Situation, also über die Einnahmen und Ausgaben und die Höhe und Art der Verschuldung. Ein Augenmerk liegt hier auf den Primärschulden: Ist die Wohnung oder die Energieversorgung gefährdet? Liegen Geldstrafen vor? An dieser Stelle schauen wir auch, ob es Möglichkeiten gibt, das Einkommen zu erhöhen. Wir prüfen, ob bisher ungenutzte Ansprüche auf Sozialleistungen bestehen und ob ein Nebenjob möglich ist. Dann werden gemeinsam Lösungswege besprochen. Das geht von Budgetberatung über Vergleichsverhandlungen mit den Gläubigern bis hin zur Unterstützung im außergerichtlichen Teil des Verbraucherinsolvenzverfahrens.

Kontakt

Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V.
Kreisverband Oldenburg-Ammerland
Ziegelhofstraße 125–127
26121 Oldenburg

Telefon: 0441 77900-21, -25, -78
schuldnerberatung-oldenburg@paritaetischer.de
www.paritaetischer.de

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