Ein Ball, der verbindet
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Jetzt sind die Mädchen dran

  • 03. März 2026 | Tamara Zimdahl
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Rund 30 Spielerinnen trainieren seit November 2025 beim FC Medya in Kreyenbrück in einer neu gegründeten Mädchenmannschaft. Trainer Bayram Evin will mit dem Team sportlich wachsen, aber auch Verantwortung im Stadtteil übernehmen. Im Februar 2026 stand bereits das erste Turnier an.

In Oldenburg gibt es Fußballvereine wie Sand am Meer. Jungenmannschaften sowieso. Für Mädchen ist das Angebot deutlich kleiner. Wer spielen will, muss oft suchen, manchmal auch wechseln, manchmal warten, bis sich irgendwo wieder genug Spielerinnen für ein Team zusammenfinden. Beim FC Medya ist dieser Moment im Herbst 2025 gekommen. Seit November trainiert dort eine Mädchenmannschaft, die in kurzer Zeit erstaunlich groß geworden ist. Rund 30 Spielerinnen sind inzwischen angemeldet, regelmäßig stehen neue Anrwärterinnen zum Probetraining in der Halle. Unterstützt wird das Team dabei auch von der GSG OLDENBURG, die sie mit Equipment ausstattet.

Trainer Bayram Evin hat klare Vorstellungen davon, wie sich das Team entwickeln soll. Aktuell trainieren die Mannschaft einmal pro Woche in der Halle. „Diese Regelmäßigkeit bedeutet, das Niveau zu halten. Aber wir wollen ja, dass die Mädchen sich auch weiterentwickeln.“ Sobald das Wetter es zulässt, soll deshalb zweimal wöchentlich trainiert werden. Dann geht es nach draußen auf den Sportplatz an der Brandenburger Straße. 

Konzentrierter Blick aufs Spiel: Trainer Bayram Evin verfolgt jede Aktion seiner Mannschaft.

Training beim FC Medya

Die Gruppe ist dabei so gemischt, wie man es sich für eine neue Mannschaft kaum besser vorstellen kann. Die Jüngsten sind elf, die Ältesten 18 Jahre alt. Einige Mädchen bringen bereits Erfahrung aus anderen Vereinen mit, andere standen vor wenigen Monaten zum ersten Mal auf dem Platz. Und trotzdem hat sich das Teamgefühl überraschend schnell entwickelt.

Jacqueline (18) war beim ersten Probetraining dabei. „Für mich war es das erste Mal, dass ich Fußball gespielt habe. Aber es hat wirklich direkt Spaß gemacht.“ Was ihr besonders gefällt, ist nicht nur das Training selbst, sondern auch das Drumherum. Dass es leicht fällt, in die Gruppe hineinzufinden. Dass man nicht erst dazugehören muss, um mitmachen zu dürfen. „Ich kannte von hier tatsächlich niemanden. Aber wir haben uns direkt alle gut verstanden.“

„Es ist dieser eine Ball, der alle Mädchen hier verbindet.“

Jacqueline

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Jacqueline (l.) und Rojin (r.) trainieren seit November im neuen Mädchenteam des FC Medya.

Rojin (14) hat bereits in einem anderen Verein gespielt und erkennt deutliche Unterschiede. Dort sei die Mannschaft immer wieder aufgelöst worden, Trainer hätten gewechselt, die Struktur sei nicht stabil gewesen. Beim FC Medya erlebt sie es anders. Für sie zählt vor allem der große Zusammenhalt in der Mannschaft. 

Mädchen, die darüber nachdenken, mit Fußball zu beginnen, ermutigt sie sofort: „Es macht sehr viel Spaß. Und es ist auch nicht schwer.“

Kurdisch geprägt, aber bewusst offen für alle

Der FC Medya ist ein kurdisch geprägter Verein. Das Besondere: „Es gibt in Deutschland zwar zahlreiche kurdische Fußballvereine, aber keine einzige aktive Mädchenmannschaft innerhalb dieser Vereine“, so Trainer Bayram Evin. In dieser Hinsicht ist das Team des FC Medya also bundesweit ein Novum.

„Es gibt in Deutschland um die 100 kurdische Fußballmannschaften, davon aber keine einzige Fußball Mädchenmannschaft.“

Bayram Evin, Trainer

Gleichzeitig versteht sich die Mannschaft nicht als geschlossene Gruppe. Im Training spielen Jugendliche unterschiedlichster familiärer und kultureller Hintergründen zusammen und bilden ein offenes, vielfältiges Team. Die kurdische Prägung des Vereins ist zwar Teil seiner Geschichte, aber sie definiert nicht, wer mitspielen darf. Entscheidend ist, dass Mädchen hier Fußball spielen wollen.

Fußball und Alltag gehören zusammen

Bayram Evin will nicht nur sportliche Entwicklung. Ihm geht es auch darum, dass das Team als Gruppe Verantwortung übernehmen. Ab März 2026 soll die Mannschaft ehrenamtlich aktiv werden. Geplant sind Besuche in einem Pflegeheim, Aktionen im Stadtteil, Smartphone-Schulungen für ältere Menschen und die Teilnahme an einer Müllsammelaktion „Oldenburg räumt auf“.

Ein eingespieltes Team trotz kurzer Zeit: Die Mädchenmannschaft des FC Medya.

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„Das Team bekommt ganz viel an Ausstattung für ihren Sport. Und da gehört es einfach dazu, dass sie auch ein bisschen etwas an die Gesellschaft zurückgeben.“ Zusätzlich hat Evin ein Nachhilfeangebot auf den Weg gebracht, damit Schule und Sport sich nicht im Weg stehen. „Uns ist es einfach wichtig, dass wir die Mädchen eben nicht nur sportlich begleiten, sondern auch auf die Bildung schauen.“

Der Schritt in den Spielbetrieb

Dass es bei diesem Team nicht nur um Training geht, zeigte sich bereits im Februar. Beim ersten Hallenturnier in Aachen stand die neu gegründete Mannschaft erstmals gemeinsam im Wettbewerb auf dem Platz. Für viele Spielerinnen war es das erste Turnier überhaupt.

Der Tag sei sportlich intensiv gewesen, berichtet Bayram Evin. Ein Spiel konnte die Mannschaft für sich entscheiden. Vor allem aber sei es darum gegangen, Erfahrungen zu sammeln und als Team weiter zusammenzuwachsen. „Wir hatten einen erfolgreichen Tag und haben uns alle noch besser kennengelernt“, so Evin. Im März folgen weitere Freundschaftsspiele, ab April beginnt der reguläre Pflichtspielbetrieb.

Die Mannschaft ist inzwischen so groß, dass perspektivisch sogar zwei Teams möglich wären. Dafür fehlt aktuell noch ein weiterer Trainer. Bis dahin startet der FC Medya zunächst mit einer Mannschaft – und dem Ziel, im Sommer nachzulegen.

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