Ein Dienstag
in der Kleiderkammer
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Soziales

Gut erhalten. Gut gebraucht.

  • 09. September 2026 | Tamara Zimdahl
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In der DRK-Kleiderkammer an der Kurlandallee finden Besucher:innen Kleidung, Schuhe und Haushaltswäsche zu kleinen Preisen. Dahinter steht ein fünfköpfiges Team, das jeden Dienstag sortiert, berät und viele seiner Kund längst persönlich kennt. Wir haben die Ehrenamtlichen in Ohmstede besucht.

Dienstag ist Kleiderkammertag in der Kurlandallee 23 in Ohmstede. Bevor die Türen öffnen, kommen Siegrid Stürenberg, Manuela Raake, Beate und Rudolf Koehler sowie Michael Specht-Raake zusammen, trinken einen Kaffee und bereiten die Räume vor. Später wird beraten, kassiert und immer wieder neu sortiert. Denn an Kleidung mangelt es hier selten. Eher am Platz.

Gruppe von fünf Erwachsenen steht in einem Laden, freundlich in die Kamera lächelnd, umgeben von Kleidung, Dekorationen und Regalen.

Das Team der Ohmsteder Kleiderkammer v.l.n.r.: Siegrid Stürenberg, Gundolf Koehler, Beate Koehler, Manuela Raake, Michael Specht-Raake

Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes gibt es nach Schätzung des Teams bereits seit etwa 30 Jahren. Früher befand sie sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite, heute nutzt sie eine 2-Zimmer-Wohnung der GSG OLDENBURG. Einige der Ehrenamtlichen sind schon seit vielen Jahren dabei. Michael etwa engagiert sich seit 19 Jahren in der Kleiderkammer.

Schätze auf kleinem Raum

Wer die Kleiderkammer zum ersten Mal betritt, dürfte von der Auswahl überrascht sein. In den Räumen hängen T-Shirts, Blusen, Herrenhemden, Sommerkleider, Abendgarderobe, Sportbekleidung sowie Jacken für jede Jahreszeit. Dazu kommen Schuhe, Gürtel, Krawatten, Unterwäsche, Bettwäsche, Handtücher und allerlei Haushaltsartikel.

„Eigentlich ist alles da“, fasst das Team das Sortiment zusammen. Jeder freie Winkel wird genutzt. Allein im Hauptraum hängen nach Schätzung der Ehrenamtlichen 600 bis 700 Kleidungsstücke. Hinzu kommen Regale, Kisten und die im Keller eingelagerte Saisonware.

Das Sortiment verändert sich im Laufe des Jahres. Wenn im Frühjahr und Sommer die Kleiderschränke aufgeräumt werden, kommen oft schon Winterjacken und Stiefel an. Im Winter wird wiederum Sommerkleidung abgegeben. Was gerade nicht in den Verkaufsraum passt, verstauen Sigrid, Manuela, Beate, Rudolf und Michael in beschrifteten Kisten im Keller.

Jeden Dienstag kann in der Kurlandallee 23 zwischen 10  und 13 bzw. 15 und 17 Uhr gestörbert werden.

Verwilderte Kleidersammlung vor einem Gebäude: eine Person lehnt auf einem Balkonrand neben einer offenen Kleiderablage, vor ihr hängen Kleider und Requisiten; ein Schild „Deutsches Rotes Kreuz Kleiderkammer“ ist an der Wand.

Stöbern für kleines Geld

Die Kleiderkammer steht allen offen. Ein Berechtigungsschein ist nicht erforderlich. Wer etwas braucht oder einfach stöbern möchte, kann dienstags zwischen 10 und 13 sowie zwischen 15 und 17 Uhr vorbeikommen.

Die Preise beginnen bei 50 Cent für einzelne Wäschestücke. T-Shirts kosten meist zwischen 1,50 und 2 Euro, Herrenhemden etwa 2,50 Euro. Für besonders hochwertige Jacken verlangt das Team bis zu 7 Euro.

Auch Marken wie Bugatti, Esprit oder Tommy Hilfiger landen regelmäßig auf den Kleiderbügeln. Bei solchen Stücken wird im Team schon einmal über den passenden Preis gesprochen. „Selbst bei sieben Euro wird noch gehandelt“, erzählt Manuela mit einem Lachen. Die Preise legen die Ehrenamtlichen gemeinsam fest. Sie sollen niedrig bleiben und zugleich Zustand und Qualität der Kleidung berücksichtigen.

Ankommen, stöbern, bleiben

Viele Besucher kommen regelmäßig. Einige schauen nur kurz herein, andere stöbern ausgiebig durch die Räume. Manche warten sogar darauf, dass im Sortierzimmer neue Stücke ausgepackt und nach vorne gebracht werden.

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Dabei geht es längst nicht immer nur um die nächste Jacke oder ein Paar Schuhe. Über die Jahre sind viele persönliche Kontakte entstanden. Die fünf wissen häufig schon, wer regelmäßig vorbeischaut oder nach welchem Kleidungsstück jemand sucht.

Und manchmal wird auch erzählt, was gerade im Leben passiert. Von einem Umzug, einem Todesfall in der Familie oder anderen Veränderungen. Solche Gespräche sind beim nächsten Besuch nicht vergessen. „Wenn sie das nächste Mal kommen, weißt du das noch und fragst nach“, sagt Michael.

Diese Vertrautheit gehört für das gesamte Team zur Kleiderkammer dazu. Die Besucher:innen werden begrüßt, bei Bedarf beraten und oft auch persönlich verabschiedet. Untereinander sind alle per Du.

Kleine Truppe, großer Einsatz

Aktuell kümmern sich fünf Ehrenamtliche um den Betrieb. Sie sind jeden Dienstag vor Ort, obwohl alle noch einem anderen Beruf nachgehen. Mehr Öffnungstage wünschen sich einige Besucher:innen durchaus. Für das Team ist das neben der regulären Arbeit jedoch kaum zu leisten.

Michael selbst verbringt seit 19 Jahren seinen freien Dienstag in der Kleiderkammer. Warum er immer noch gerne kommt, beantwortet er ohne große Umschweife: „Es ist das Zusammenleben hier. Es ist einfach harmonisch und nett.“

Das Team frühstückt zusammen, verteilt die Aufgaben und springt füreinander ein. Neue Ehrenamtliche wären willkommen, müssten jedoch zunächst die Abläufe und vor allem die Menschen kennenlernen.

Checkliste

Kleiderspenden – darauf kommt es an

  • sauber und gewaschen
  • ohne Flecken oder starke Gebrauchsspuren
  • Reißverschlüsse und Knöpfe intakt
  • keine Löcher oder offenen Nähte
  • möglichst gefaltet abgeben

Nicht jede Spende ist eine Hilfe

Fast jeden Dienstag werden neue Spenden abgegeben. Teilweise bringen Besucher:innen mehrere Säcke oder Kisten auf einmal. Für das Team beginnt dann die eigentliche Arbeit. Die Kleidung muss ausgepackt, geprüft, sortiert, gefaltet und eingeräumt werden.

Nicht alles eignet sich für die Weitergabe. Verschmutzte, stark abgenutzte oder beschädigte Stücke müssen aussortiert werden. Besonders ärgerlich sind defekte Reißverschlüsse oder Löcher, die erst beim genaueren Hinsehen auffallen.

„Die Menschen, die hier einkaufen, haben oft nicht das Geld, anschließend noch einen neuen Reißverschluss einsetzen zu lassen“, sagt Siegrid. Gespendete Kleidung sollte deshalb gewaschen, sauber, vollständig und möglichst gefaltet sein. So lässt sie sich schneller prüfen und weitergeben. 

Aussortierte Kleidung wird in großen Säcken gesammelt und regelmäßig von einem externen Unternehmen abgeholt. An manchen Tagen kommen nach Angaben des Teams 20 bis 30 Säcke zusammen. Das zeigt auch, wie viel Arbeit hinter dem vermeintlich einfachen Weitergeben von Kleidung steckt.

Ehrenamt auf engem Raum

Die größte Herausforderung ist der Platz. Im Verkaufsraum hängt die Kleidung dicht an dicht, im Keller stapeln sich Kisten mit Saisonware. Schuhe, Jacken und Bettwäsche brauchen besonders viel Raum.

„Ein Zimmer fehlt uns garantiert“, sagt Michael. Die heutige 2-Zimmer-Wohnung sei gut genutzt, stoße aber regelmäßig an ihre Grenzen. Mehr Platz würde das Sortieren erleichtern und dafür sorgen, dass weniger Ware zwischengelagert werden muss.

Große Umbaupläne hat das Team trotzdem nicht. Auf die Frage, was es sich für die Zukunft wünsche, nennt das Team vor allem eines: dass die Gruppe so zusammenbleibt, wie sie ist. „So, wie es jetzt läuft, läuft es gut. Mehr als gut.“

Und falls Geld einmal keine Rolle spielen sollte? Dann fällt der Wunsch überraschend bescheiden aus: Ein größerer Kühlschrank für das gemeinsame Frühstück dürfte es sein.

Gut zu wissen

DRK-Kleiderkammer Ohmstede

Kurlandallee, Oldenburg

Die Kleiderkammer ist dienstags geöffnet. Ein Berechtigungsschein ist nicht erforderlich. Angeboten werden unter anderem Kleidung für Erwachsene und Kinder, Schuhe, Unterwäsche, Bettwäsche, Handtücher und kleinere Haushaltsartikel.

Kleiderspenden sollten sauber, intakt und möglichst gefaltet abgegeben werden. Besonders wichtig ist, Reißverschlüsse, Knöpfe und Nähte vor der Abgabe zu kontrollieren.

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