Zwischen Karikatur, Kinderbuch und KI
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Kooperation | Kultur

Festival der Illustration 2026

  • 18. August 2026 | Tamara Zimdahl
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Illustrationen prägen unseren Alltag. Sie begegnen uns in Büchern, auf Verpackungen, in Zeitungen oder auf Plakaten – oft ohne, dass wir sie bewusst wahrnehmen. Initiator Norbert Egdorf erzählt, warum genau daraus die Idee für das Festival der Illustration entstand.

Wer das Büro von Norbert Egdorf betritt, bekommt schnell eine Ahnung davon, wie vielfältig Illustration sein kann. In den Regalen stehen Flaschen mit eigens gestalteten Etiketten, an den Wänden hängen Arbeiten aus vergangenen Projekten. Vieles davon begegnet uns täglich – auf Verpackungen, in Büchern, Zeitschriften oder auf Plakaten. Wer diese Bilder gestaltet hat, wissen jedoch die wenigsten.

„Ich habe mich damals gefragt, warum wir jeden Tag von Illustration umgeben sind und trotzdem kaum jemand die Menschen hinter diesen Bildern kennt“, sagt Egdorf. Aus genau dieser Frage entstand 2012 das Festival der Illustration. Alle zwei Jahre präsentiert es in Oldenburg die kreative Vielfalt der norddeutschen Illustrationsszene und bringt Kunstschaffende mit ihrem Publikum zusammen. In diesem Jahr findet es bereits zum achten Mal statt.

Inzwischen eine feste Festivaltradition: Für jede Ausgabe entwerfen die teilnehmenden Illustrator:innen eigene, individuell gestaltete Etiketten für eine limitierte Sonderedition der OLs Brauerei.

Regal voller bierflaschen mit bunte etiketten, umgeben von mappenordnern und Akten, in einem Büro-/Archivraum.

Von Bildern und Begegnungen 

Aus der ursprünglichen Idee ist mittlerweile eine Veranstaltung mit Ausstellungen, Workshops, Lesungen, Konzerten, Filmen und Diskussionen geworden. Das Programm spiegelt die Vielfalt der Illustration wider: Kinderbuchillustration steht neben Karikatur, Graphic Novels, Animation, wissenschaftlicher Illustration und dreidimensionalen Arbeiten.

Dabei geht es nicht nur um die fertigen Werke, sondern auch um den Weg dorthin. „Viele glauben, Illustratorinnen und Illustratoren setzen sich hin und zeichnen einfach los“, sagt Egdorf. Tatsächlich beginne jede Illustration mit einer Idee: Welche Geschichte soll erzählt werden? Welche Stimmung soll entstehen? Welche Botschaft soll das Bild vermitteln? Erst danach werde skizziert, ausprobiert, verworfen und überarbeitet – manchmal viele Male. „Gute Illustrationen erzählen Geschichten, wecken Emotionen und bringen komplexe Inhalte oft mit einem einzigen Bild auf den Punkt.“

Gute Illustrationen erzählen Geschichten, wecken Emotionen und bringen komplexe Inhalte oft mit einem einzigen Bild auf den Punkt.

Norbert Egdorf

Ein Festival ist Teamarbeit

Dass das Festival inzwischen seit über einem Jahrzehnt besteht, lässt sich nicht nur auf gute Ideen zurückführen. Hinter jeder Ausgabe steht ein Team, das viele Monate plant, organisiert und improvisiert. Neben Norbert Egdorf gehören Carsten Fuhrmann, Uli Bohmann, Jinke Fanselau und Mechthild Oetjen zum Organisationsteam. 

„Natürlich laufen viele Fäden bei mir zusammen“, sagt Egdorf. „Aber ohne das Team würde das Festival nicht funktionieren.“ Alle brächten eigene Stärken und Kontakte ein. Viele Programmpunkte seien überhaupt erst durch dieses Netzwerk entstanden.

Über viele Jahre hat Egdorf durch seine Arbeit auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna, gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse, im Deutschen Kulturrat und im Deutschen Designtag enge Kontakte zu Illustrator:innen, Verlagen und Kulturinstitutionen aufgebaut. Viele begleiten das Festival bis heute. 

Zwischen Stift und Algorithmus

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Festivals ist das Thema Künstliche Intelligenz. Welche Möglichkeiten eröffnen neue Werkzeuge? Wo liegen ihre Grenzen? Und was bedeutet das für einen Beruf, dessen Qualität sich aus einer individuellen Handschrift, Haltung und kreativen Ausdrucksform entwickelt? Fragen wie diese stehen bei mehreren Veranstaltungen im Mittelpunkt. Egdorf begegnet dem Thema offen, aber nicht unkritisch. Digitale Hilfsmittel seien längst Teil des Arbeitsalltags. Entscheidend bleibt für ihn jedoch, die Verantwortung für die eigene Arbeit zu übernehmen. „Ich möchte mit gutem Gewissen meinen Namen darunter schreiben und sagen können: Das ist mein Werk – das bin ich.“ KI kann dabei ein Hilfswerkzeug sein – die kreative Verantwortung und damit auch die Grundlage des Urheberrechts müsse jedoch beim Menschen bleiben.

Menschenmenge in offener Kunstgalerie beobachtet eine Präsentation; Seminarraum mit weißen Trennwänden, Installationen und Sitzenden im Hintergrund, Beleuchtung von oben.
Gruppierung von Menschen in einer Ausstellungshalle, vorne rechts eine Person spricht zu der Gruppe, Regale mit Bilderrahmen und Kinderbüchern, grüne Teppichboden.

Neuer Ort auf Zeit

Anders als gewohnt findet das Festival in diesem Jahr nicht in der Alten Maschinenhalle statt. Wegen laufender Umbauarbeiten, musste das Organisationsteam kurzfristig umplanen. Die achte Ausgabe zieht deshalb nur wenige Schritte weiter in das ehemalige Casino an der Heiligengeiststraße 12, den die Initiative „Raum auf Zeit“ zurzeit zur kreativen Zwischennutzung vermietet. Auch der gegenüberliegende Heiligengeistpark wird in das Festival mit eingebunden.

Der Ortswechsel bedeutete zusätzliche Arbeit und höhere Kosten. „Gerade in solchen Momenten zeigt sich, wie wertvoll unser Netzwerk und unser ehrenamtliches Team sind“, sagt Egdorf. „Ohne dieses Engagement gäbe es das Festival nicht.“

Persönliche Highlights

Auf die Frage nach seinem persönlichen Highlight muss Norbert Egdorf kurz überlegen. „In jeder Veranstaltung steckt unglaublich viel Herzblut“, sagt er. Besonders gespannt ist er auf die Diskussionsabende zu Künstlicher Intelligenz sowie zu Politik, Karikatur und Satire, auf das Konzert mit brasilianischen Bossa Nova und mit den rhythmischen Einflüssen der Percussion aus Boston, das Chansonprogramm Berlin nach New York und Best of Animation mit preisgekrönten Kurzfilmen.

Doch so groß die Vorfreude auf das anstehende Programm auch ist – der Blick geht bei einem solchen Projekt meist schon weiter.  „Nach dem Festival ist deshalb auch immer vor dem Festival“, sagt Egdorf und lacht. „Schon während wir abbauen, beginnen oft die ersten Ideen für die nächste Ausgabe 2028 – dann hoffentlich endlich wieder in der Alten Maschinenhalle.“

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