Fotos, die berühren.
  1. GSG Startseite
  2. Magazin
  3. Die World Press Photos sind zurück in Oldenburg

Kooperation | Kultur

Die World Press Photos sind zurück in Oldenburg

  • 23. Februar 2026 | Lisa Knoll
    Link zum Artikel wurde in die Zwischenablage kopiert.

Fotos, die berühren. Fotos, die aufrütteln. Fotos, die überraschen. Die World-Press-Photo-Ausstellung macht ab dem 21. Februar 2026 zum elften Mal Station im Oldenburger Schloss. In rund 140 Fotos zeigt sie bekannte und weniger bekannte Geschichten aus aller Welt.

Die GSG OLDENBURG fördert die World-Press-Photo-Ausstellung bereits seit der Premiere in Oldenburg im Jahr 2016. Noch immer erfreuen sich die weltbesten Pressefotos großer Beliebtheit: Im letzten Jahr kamen gut 15.800 Besucher:innen, um sich die rund 130 prämierten Fotos anzuschauen.

Im neuen Jahrgang der Ausstellung erwartet die Gäste erneut eine Vielzahl an Fotos zum aktuellen Zeitgeschehen. Vor allem die Kriege in der Ukraine und in Gaza stehen im Fokus. Letzteres ist auch das Thema des Pressefotos des Jahres. Aufgenommen hat es die palästinensische Fotografin Samar Abu Elouf im Auftrag der New York Times. Das Porträt zeigt den neunjährigen Mahmoud, der bei einem israelischen Luftangriff beide Arme verlor und nun in Katar lebt, wo er medizinisch versorgt wird. „Das Foto beleuchtet die physischen und psychologischen Traumata, die Zivilist:innen in Kriegsgebieten in großem Maßstab ertragen mussten und weiterhin ertragen werden“, so das Urteil der Jury. „Dieses Porträt stimmt nachdenklich und wirft Fragen auf – etwa über künftige Erfahrungen, die dem verletzten Jungen noch bevorstehen.“

World Press Oldenburg Foto des Jahres

Als World Press Photo des Jahres 2025 ausgezeichnet: Samar Abu Eloufs Aufnahme eines neunjährigen Jungen aus dem Gazastreifen, der infolge eines israelischen Angriffs beide Arme verloren hat.

„Ich wollte diese Frauen als vielschichtige Menschen zeigen – mit Handlungsmacht, Humor, Frustration und Träumen.“

Kiana Hayeri, Fotografin

Wer die Ausstellung besucht, erhält auch Einblicke in den Alltag in Afghanistan – und zwar mit einem besonderen Fokus: Kiana Hayeri zeigt die Lebenssituation der Frauen im Land, seit die Taliban 2021 zurück an die Macht kamen. Die iranisch-kanadische Fotografin hat selbst über viele Jahre in Afghanistan gelebt und kehrte für ihre Reportage „No Woman’s Land“ zurück. Sie sprach mit über 100 Frauen aus sechs afghanischen Provinzen und porträtierte einige von ihnen in behutsam gestalteten Bildern. „Fotografie beeinflusst, wie Menschen Orte wahrnehmen, die sie vielleicht nie selbst besuchen werden. Über Jahre hinweg schwankten die Darstellungen von Frauen in Afghanistan zwischen Opferrolle und Symbolik“, berichtet Hayeri. „Ich wollte diese Frauen als vielschichtige Menschen zeigen – mit Handlungsmacht, Humor, Frustration und Träumen.“

Eine Frau mit Kopftuch sitzt auf einem Bett und streicht beruhigend über den Kopf einer zweiten Frau, die neben ihr liegt. Im Hintergrund fällt gedämpftes Licht durch helle Vorhänge ins Zimmer.

Wazmah sitzt mit ihrer Tochter Tahmeena (19) zu Hause. Wazmahs eigene Ausbildung wurde während der Taliban-Herrschaft in den 1990er-Jahren unterbrochen. Nun sieht sie, wie sich die Geschichte bei ihrer Tochter wiederholt. Kabul, Afghanistan, 6. Februar 2024.

Der World-Press-Photo-Ausstellung liegt der gleichnamige Wettbewerb zugrunde, der 1955 von niederländischen Pressefotograf:innen ins Leben gerufen wurde und sich von einem regionalen Wettstreit zu einem der weltweit wichtigsten Wettbewerbe des Fotojournalismus entwickelt hat. Die von der World-Press-Photo-Stiftung beauftragte Jury wählte die Fotos des aktuellen Wettbewerbsjahrgangs unter rund 60.000 Einreichungen von mehr als 3.700 Fotoreporter:innen aus 141 Ländern aus. „Wir wollten in erster Linie Fotos auszeichnen, durch die die Menschen miteinander ins Gespräch kommen“, so die Juryvorsitzende Lucy Conticello. Nicht zuletzt deshalb zeigt sich in der Ausstellung eine große Themenvielfalt: Mit dabei sind Fotos, die um die Welt gingen, darunter eine Momentaufnahme vom versuchten Attentat auf Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania und ein Foto des Surfers Gabriel Medina, der bei den Olympischen Spielen kerzengerade in der Luft zu schweben scheint. 

Ein Surfer springt bei bewölktem Himmel hoch über eine Welle, sein Surfbrett schwebt neben ihm in der Luft, während Gischt aufspritzt.

Für einen Moment wirkt es, als schwebe Gabriel Medina über dem Meer – aufgenommen bei den Olympischen Spielen von Jerome Brouillet.

Aber auch jene Geschichten, die uns im Fernsehen, in Zeitungen und Social Media kaum bis gar nicht begegnen, finden ihren Platz. Sie geben Einblicke in Geschehnisse, die den Oldenburger Betrachter:innen mitunter gänzlich unbekannt sein dürften. Dazu gehört eine Langzeitreportage aus Iranisch-Kurdistan, die die Grenzkuriere, Kolbar genannt, auf ihrem Weg durch unwegsames Gebirge begleitet. Auf dem Rücken transportieren die Kolbar Haushaltsgeräte, Kleidung oder Smartphones in den Iran – Waren, deren Einfuhr die dortige Regierung größtenteils verboten hat. Eine Fotoserie aus Sambia zeigt das „Elephant Response Team“, eine Gruppe von Freiwilligen, die das Zusammenleben von Elefanten und Menschen in und um die örtlichen Nationalparks verbessern will. Weil Elefanten hier regelmäßig Obstbäume und Gemüsebeete plündern, kommt es nämlich immer häufiger zu Konflikten mit den Bewohner:innen.

011 Africa Stories Online Tommy Trenchard Panos Pictures for NPR 02
112 West Central and South Asia Long Term Projects Online Ebrahim Alipoor 02
001 Africa Singles Online Marijn Fidder 02
063 North and Central America Singles Online John Moore Getty Images 02
087 South America Stories Online Musuk Nolte Panos Pictures Bertha Foundation 02

Die World-Press-Photo-Ausstellung zeigt ihren Besucher:innen, die großen und die kleinen Ereignisse des Weltgeschehens, die lauten und die leisen Geschichten. „Es war noch nie so leicht wie heute, wegzuschauen. Einfach weiterzuscrollen, sich nicht zu interessieren. Aber diese Fotos lassen uns nicht wegschauen“, kommentiert Joumana Al Zein Khoury, Vorsitzende der in Amsterdam ansässigen World-Press-Photo-Stiftung. „Sie durchbrechen die Stille, sie zeigen uns, was in der Welt passiert – selbst, wenn diese Erkenntnisse manchmal unbequem sind.“ 

ÜBER

Die World-Press-Photo-Ausstellung in Oldenburg

Zeitraum: 21. Februar bis 15. März 2026
Ort: Landesmuseum Kunst & Kultur (Schloss)
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 20 Uhr.
Eintritt: 9 Euro (regulär) bzw. 6 Euro (ermäßigt)

Begleitet wird die World-Press-Photo-Ausstellung von einer Sonderschau zum Thema Natur- und Umweltschutz sowie von zahlreichen Events (Vorträge, Filme, Workshops, …).

Weitere Informationen: auf der Website www.worldpressphotoausstellung-oldenburg.de und bei Instagram @wppausstellung_oldenburg

Weitere Artikel aus dem Bereich Kultur

Stadt Museum Projektraum 4 Wohnzimmer

Projektraum_4 „Wohnen” – Projektausstellung des Stadtmuseums Oldenburg

Wie haben sich die Ansprüche an Wohnen im Laufe der Jahrzehnte gewandelt? Im Projektraum_4 beleuchtete die Ausstellung des Stadtmuseums das Thema... lesen
rotbeleuchteter Raum. Man sieht die scharzen Umrisse von zwei Menschen, die auf ihren Händen stehen und die Beine versetzt in die Luft strecken

Das Projekt „Demokratie entsteht im Untergrund“

Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Donnerschwee entsteht derzeit ein partizipativer Lern- und Erinnerungsort. Dafür arbeitet der Verein... lesen
20230311 wpp eroeffnung 0380 Andreas Burmann

World Press Photo 2023 in Oldenburg: Eine Reise durch Visuelle Geschichten

Die faszinierende Welt des Fotojournalismus kommt nach Oldenburg – mit der World Press Photo 2023. Die Ausstellung im Landesmuseum Kunst & Kultur... lesen
Zum Anfang der Seite scrollen