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„Die Siedlung ist da.“
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26. Februar 2026 | Tamara Zimdahl
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Mit 102 Jahren gehört Frida Huxol zu den ältesten Mieter:innen der GSG OLDENBURG. Seit 1973 lebt sie in derselben Wohnung, der Mietvertrag von damals liegt noch heute ordentlich in einem Umschlag. Bei unserem Besuch zeigt sie Fotos aus dem Garten, erzählt von einem Leben voller Umbrüche und von einer Nachbarschaft, die sich über Jahrzehnte verändert hat, aber nie ganz verschwunden ist.
Das Telefon klingelt. Frau Huxol greift zum Hörer. „Ich ruf dich später an“, sagt sie freundlich, „die Siedlung ist da.“ Sie legt auf und lächelt. Früher sagte man das so, wenn jemand von der Wohnungsbaugesellschaft vor der Tür stand. „Dann hat man noch schnell die Schürze beiseitegelegt und die Haare zurechtgemacht.“ Heute hört man den Ausdruck kaum noch, aber bei ihr klingt er ganz selbstverständlich.

Frida Huxol, 102, ist seit 1973 zuhause bei der GSG OLDENBURG.
Wir hatten Frau Huxol am Telefon gefragt, ob wir sie besuchen dürfen. Ein paar Tage später sitzen wir an ihrem Wohnzimmertisch. Vor uns liegen Fotos von früher, sorgfältig sortiert. Dann holt sie einen Umschlag hervor. Darin ein Dokument, das erstaunlich gut erhalten ist. Es ist ihr Mietvertrag aus dem Jahr 1973. Sie legt den Vertrag neben die Fotos und beginnt zu erzählen.
Ankommen in Oldenburg
Geboren wurde Frau Huxol 1923 in Ostpreußen, nahe Königsberg, in einer großen Familie mit zehn Kindern. Platz und Geld waren knapp. „Jeder musste früh mit anpacken“, erzählt sie. Später kam der Krieg: Bomben, Flucht, Hunger. Dass sie mit 20 Jahren in einem Sonderzug in Oldenburg ankam, war nicht geplant. Aber die junge Frau blieb und baute sich nach und nach ein Leben auf. Sie fand Arbeit und lernte schließlich ihren Mann Fritz kennen – bei einem Tanz, dem sogenannten Holchenball. Getanzt wurde in Holzschuhen, wie man sie aus den Niederlanden kennt, auch Clogs genannt. „Ich wollte ihn eigentlich gar nicht“, verrät Frau Huxol und lacht. Aber er blieb hartnäckig. Die beiden heirateten kurze Zeit später und bekamen einen Sohn.
Auf dem Tisch liegen Fotos aus früheren Jahren und der Mietvertrag aus dem Jahr 1973.

Den Mietvertrag bei der GSG OLDENBURG unterschrieb ihr Mann 1973. Das Paar zog in eine Drei-Zimmer-Wohnung in Kreyenbrück. Frau Huxol erinnert sich noch gut an die Zeit. „Ich habe mir die Stube richtig schön gemacht“, sagt sie. Es sollte gemütlich sein und ein Zuhause werden. Gewaschen wurde im Keller, ohne Waschmaschine. Kinder spielten überall. Elf Menschen in einer Wohnung seien nichts Ungewöhnliches gewesen. Aber: „Ordnung war trotzdem.“
Dann greift sie wieder nach den Fotos auf dem Tisch. Bilder aus dem Garten. Duftende Rosenbüsche, eine Bank aus Holz, Nachbarn, die dicht beieinandersitzen. „Da war früher ein Zaun“, erinnert sie sich und fährt mit dem Finger am Bildrand entlang, „den haben wir abgebaut“. Danach seien die Gärten ineinander übergegangen. Man habe draußen zusammengesessen, Kaffee getrunken und geredet, vor allem im Sommer. Auf den Fotos wirkt der Treffpunkt der Nachbarschaft fast wie ein kleiner Urlaubsort, mitten in Oldenburg.






Nachbarschaft heute
„Ich kenne noch alle Namen der Menschen, die hier im Haus gewohnt haben“, sagt Frau Huxol. Und dann zählt sie sie auf. Stockwerk für Stockwerk. Wer zuerst eingezogen ist, wer später kam, wer weggezogen ist. Mehr als fünf Jahrzehnte an einem Ort hinterlassen Spuren.
Nachbarschaft, findet Frau Huxol, sei heute anders. Man sitze nicht mehr regelmäßig auf der Bank zusammen wie früher und vieles laufe stiller ab. „Aber ganz verschwunden ist dieses Gefühl nicht. Man schaut vorbei, man fragt nach, man ruft an. Und wenn es draußen glatt ist oder der Einkauf schwerfällt, ist oft jemand da, der hilft.“ Und auch, wenn sich um sie herum vieles verändert hat, so ist ihre Wohnung in Kreyenbrück für Frau Huxol doch immer eines geblieben: ihr Zuhause. Und das seit mehr als 50 Jahren.
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