Stromspar-Check in Oldenburg
- GSG Startseite
- Magazin
- Die größten Stromfresser stehen oft direkt in der Küche
Nachhaltigkeit | Soziales
Die größten Stromfresser stehen oft direkt in der Küche
-
10. Dezember 2025 | Tamara Zimdahl
Link zum Artikel wurde in die Zwischenablage kopiert.
Stromkosten, die aus dem Ruder laufen, Schimmel in der Wohnung, Warmwasser, das still und leise das Konto belastet. Viele Haushalte kennen diese Probleme nur zu gut. Der Stromspar-Check setzt genau dort an und unterstützt Menschen mit geringem Einkommen, die besonders unter hohen Nebenkosten leiden. Ortsleiterin Denise Lohmeyer und Stromsparhelfer Farhad Haj Yousef haben uns Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Ein Gespräch über hohe Rechnungen, versteckte Stromfresser und überraschende Einsparpotenziale.
Frau Lohmeyer, wer steckt hinter dem Stromspar Check – und seit wann gibt es das Angebot in Oldenburg?
Denise Lohmeyer: Der Stromspar-Check ist ein bundesweites Programm. Träger sind der Deutsche Caritasverband und der Bundesverband der Energie und Klimaschutzagenturen Deutschlands. Finanziert wird das Angebot über Bundesmittel, die Umsetzung liegt bei regionalen Partnern vor Ort. In Oldenburg gibt es den Stromspar-Check seit 2012, in der Wesermarsch seit 2015. Deutschlandweit läuft das Projekt seit 2009.
Das Besondere ist sicherlich die doppelte Zielsetzung, die dieses Projekt verfolgt. Zum einen hilft das Projekt Menschen dabei, ihre Energiekosten zu senken, und zum anderen bietet es langzeitarbeitslosen Menschen eine berufliche Perspektive. Eine Win-win-Situation.

Denise Lohmeyer und Farhad Haj Yousef spüren im Haushalt verdeckte Stromfresser auf.
An wen richtet sich der Stromspar-Check?
Denise Lohmeyer: An Haushalte mit geringem Einkommen. Dazu gehören Menschen mit Bürgergeld, Sozialhilfe, Wohngeld, kleiner Rente, BAföG oder Kinderzuschlag und Haushalte, deren Einkommen unter bestimmten Freibeträgen liegt.
Für diese Gruppen ist der Stromspar-Check kostenfrei. Wer gut verdient, kann sich natürlich auch beraten lassen, muss das dann aber bei anderen Anbietern tun, zum Beispiel über kostenpflichtige Programme von Energieversorgern.
2.240
Haushalte
in Oldenburg haben den Stromspar-Check 2024 in Anspruch genommen.
Herr Yousef, wie läuft ein Stromspar-Check konkret ab?
Farhad Haj Yousef: Am Anfang steht eine Anmeldung. Man erreicht uns telefonisch, per Mail oder der per Post. Am besten ist ein kurzer Anruf, dann können wir sofort klären, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und welche Fragen es gibt.
Beim ersten Hausbesuch gehen wir gemeinsam durch die Wohnung. Wir messen und prüfen die großen Verbraucher Kühlschrank, Gefrierschrank, Warmwasser über Boiler oder Durchlauferhitzer, Beleuchtung, Fernseher, Computer und Standby Standby-Geräte. Wir schauen auf den Wasserverbrauch, auf die Abdichtungen der Fenster und Türen und auf das Heiz- und Lüftungsverhalten.
Alle Daten fließen in eine Software, die berechnet, wo die größten Einsparpotenziale liegen. Auf dieser Grundlage erstellen wir einen Bericht, den wir beim zweiten Termin mitbringen. Dann erklären wir die Ergebnisse Punkt für Punkt und stellen die passenden Hilfsmittel zur Verfügung.
Was bringen Sie beim zweiten Termin mit?
Denise Lohmeyer: Zum zweiten Termin kommen wir nicht mit leeren Händen. Wir können unter anderem LED-Lampen, abschaltbare Steckdosenleisten, Funksteckdosen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Zeitschaltuhren für Boiler, Sparduschköpfe und Wasserregler für Wasserhähne mitbringen.
Farhad Haj Yousef: Seit einiger Zeit gehört auch die Wärmeberatung dazu. Wir prüfen Fenster auf Zugluft und können zum Beispiel Dichtungsbänder oder Türbesen zur Verfügung stellen. In Wohnungen mit erhöhter Schimmelgefahr geben wir Thermohygrometer aus. Die zeigen über ein einfaches Symbol an, wann gelüftet werden sollte.
Wie wird entschieden, welche Hilfsmittel ein Haushalt bekommt?
Denise Lohmeyer: Die Auswahl richtet sich nach der Situation vor Ort. Ein Haushalt mit sehr hohem Warmwasserverbrauch über den Durchlauferhitzer hat andere Bedarfe als eine ältere Person, die Probleme hat, an Steckdosenleisten heranzukommen.
Wir verbinden Messwerte mit Alltagspraxis. Wo verbraucht ein Gerät deutlich zu viel Strom, wo wird unnötig geheizt, wo geht Wärme verloren, wo ist Schimmel ein Thema? So entsteht ein Paket, das sinnvoll ist und nicht einfach nur „nice to have“.

Wo sehen Sie typischerweise die größten Einsparpotenziale?
Farhad Haj Yousef: Sehr häufig bei alten oder defekten Kühl- und Gefriergeräten. Der Mehrverbrauch kommt schleichend, wird im Alltag kaum bemerkt und schlägt dann auf der Jahresabrechnung zu. Wir haben Fälle gesehen, in denen ein erst zwei Jahre alter Kühlschrank schon defekt war und rund 2.000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht hat – ein Vielfaches dessen, was ein vergleichbares sparsames Gerät braucht.
Denise Lohmeyer: Auch Wäschetrockner sind ein Klassiker. Gerade in Familien mit mehreren Kindern laufen Trockner schnell viele Stunden in der Woche. Rechnet man das auf ein Jahr hoch, kommen dabei mehrere hundert Euro zusammen. Hinzu kommen Fernseher im Dauerbetrieb und Geräte, die rund um die Uhr im Standby laufen.
Unterstützen Sie auch beim Austausch alter Kühlgeräte?
Farhad Haj Yousef: Ja. Wenn ein Gerät mindestens zehn Jahre alt ist und sich durch ein neues Gerät mindestens 200 Kilowattstunden pro Jahr einsparen lassen, kann ein Austausch gefördert werden.
In Oldenburg gibt es zusätzlich zu Bundesmitteln eine Unterstützung der Stadt. Je nach Gerätegröße und Haushalt können so Zuschüsse von mehreren hundert Euro zusammenkommen. In einigen Fällen konnte der Kaufpreis eines neuen Gerätes vollständig abgedeckt werden. Die einzelnen Programme und Beträge werden regelmäßig angepasst, deshalb besprechen wir Details immer im Beratungsgespräch.
Der Messkoffer des Stromspar-Check zeigt, welche Geräte im Alltag mehr Strom ziehen als gedacht.

Viele Vermieter:innen und Mieter:innen berichten von Schimmel. Welche Rolle spielt das Thema beim Stromspar-Check?
Denise Lohmeyer: Schimmel ist tatsächlich ein Dauerthema. In Oldenburg sehen wir das sehr häufig. Die Ursachen können im Gebäude liegen, zum Beispiel bei mangelhafter Abdichtung oder Bauschäden, sie hängen aber auch vom Verhalten ab. Wir erklären, wie richtiges Heizen und Lüften aussieht: mehrmals täglich kurzes, kräftiges Querlüften statt ständig gekippter Fenster, ausreichende Temperaturen in den Wohn- und Schlafräumen, keine dauerhaft ausgekühlten Ecken. Mit Thermohygrometern können Mieterinnen und Mieter selbst erkennen, wann das Raumklima kritisch wird.
Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Haushalten?
Denise Lohmeyer: Wenn Rückmeldungen kommen, sind sie fast immer positiv. Es gibt Menschen, die sich später melden und berichten, dass die prognostizierten Einsparungen ziemlich genau eingetreten sind. Teilnehmende sind uns sehr dankbar, dass sie „mal eben so“ allein durch unsere Hilfsmittel 50 bis 200 Euro einsparen konnten, je nach Größe des Haushaltes und natürlich der Geräte vor Ort.
Es muss gar nichts Großes sein. Schon ein paar einfache Schritte können im Alltag viel bewirken.
Farhad Haj Yousef, Stromsparhelfer
Gibt es ein Beispiel, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Farhad Haj Yousef: Ja, wir hatten auch Fälle mit deutlich höheren Summen. Besonders im Kopf geblieben ist uns ein Haushalt, der direkt über einem Spielcasino wohnte. Dort war der Verbrauch so ungewöhnlich hoch, dass er sich mit den Geräten in der Wohnung schlicht nicht erklären ließ. Ein Elektriker wurde eingeschaltet und stellte fest, dass ein Teil des Casino-Stroms über den Zähler des Mieters lief. Der Fehler wurde behoben und der Mieter bekam Geld zurück. Solche Erfahrungen zeigen, wie wichtig ein genauer Blick auf den Verbrauch ist.
Quick Tipp: Drei einfache Schritte, die jede:r Mieter:in sofort umsetzen kann?
Farhad Haj Yousef: Es muss gar nichts Großes sein. Schon ein paar einfache Schritte können im Alltag viel bewirken:
- Durchlauferhitzer auf die tatsächliche Wohlfühltemperatur einstellen und zum Händewaschen kalt nutzen. Das verhindert, dass Wasser teuer erhitzt wird, um es anschließend mit kaltem Wasser wieder zu mischen.
- Gefriergeräte regelmäßig abtauen lassen und bei den Dichtungen kontrollieren, ob diese noch heile und weich sind.
- Warmwasser und Beleuchtung überdenken. Sparduschkopf nutzen, Duschdauer verkürzen und konsequent auf LED setzen.
Denise Lohmeyer: Oft unterschätzt werden auch Gaming-PCs. Wenn sie nicht gedrosselt sind, können sie 500 bis 800 Watt ziehen, also 0,8 kWh. Rechnet man das auf den Alltag hoch, kommt einiges zusammen. Wer zum Beispiel täglich vier Stunden spielt, landet im Jahr schnell bei gut 1.160 Kilowattstunden. Bei einem Strompreis von 36 Cent pro Kilowattstunde sind das rund 420 Euro. Dessen sollte man sich bewusst sein.
Sparen im Alltag
Was der Stromspar-Check empfiehlt
- Abschaltbare Steckdosenleisten nutzen.
- Nicht genutzte Geräte ausschalten.
- Lampen in Räumen, in denen man sich nicht aufhält, ausschalten.
- Wasser beim Einschäumen unter der Dusche ausstellen.
- Beim Kochen Wasser (z. B. für Nudeln oder Kartoffeln) mit dem Wasserkocher erhitzen.
- Eco-Programme an Waschmaschinen, Trocknern und Geschirrspülern nutzen – so spart man im Vergleich zum Normal-Programm rund die Hälfte an Energie und Wasser.
- Vorhänge nicht vor Heizkörpern aufhängen.
- Beim Lüften und Querlüften Heizkörper ausstellen.
Und zum Schluss: Warum lohnt sich der Stromspar-Check auch für Menschen, die glauben, bei ihnen sei nichts mehr zu holen?
Denise Lohmeyer: Viele denken, sie hätten bereits alles optimiert, doch oft gibt es Stromfresser, die man im Alltag gar nicht mehr wahrnimmt. Wir schauen mit einem geschulten Blick auf Geräte, Einstellungen und Verbrauchswege. Dinge, an die man sich gewöhnt hat, fallen uns sofort auf. Tatsächlich konnten wir bisher in jedem besuchten Haushalt Einsparungen erreichen – selbst dort, wo Menschen schon vorher sehr bewusst mit Energie umgegangen sind. Denn nicht jedes Gerät arbeitet so zuverlässig, wie man annimmt, und manches entwickelt sich über die Jahre zum heimlichen Kostenfaktor.
Farhad Haj Yousef: Und selbst wenn wir einmal nichts finden sollten, gibt es die Bestätigung: „Sie machen das schon genau richtig“ – wer hört das nicht gerne?
Noch Fragen?
Jetzt kostenlosen Stromspar-Check anfordern
Manchmal reicht ein kurzer Blick von außen, um versteckte Energiekosten sichtbar zu machen. Wer sich für den Stromspar-Check anmeldet, bekommt genau das: eine persönliche Beratung in der eigenen Wohnung, inklusive Messungen, Tipps und passenden Energiesparartikeln. Kostenlos, unkompliziert und ohne Bürokratie.
Die Anmeldung ist schnell gemacht – online, telefonisch oder per WhatsApp. Danach meldet sich das Team und begleitet Schritt für Schritt durch den Prozess. Ein einfacher Weg, um im Alltag spürbar entlastet zu werden.
Kontakt
Denise Lohmeyer
Leiterin Stromsparcheck
Bloherfelder Straße 175
26129 Oldenburg
Telefon 0441 36173440
E-Mail: stromsparcheck@caritas-wesermarsch.de
Weitere Artikel aus dem Bereich Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit beginnt im Kleinen
Ein ressourcenschonender Alltag braucht nicht gleich die ganz großen Veränderungen. Auch viele kleine Entscheidungen können sich zu einem... lesen
Zimmer frei – für den Artenschutz
Wo früher kleine Mauerspalten und Dachvorsprünge als natürliche Unterschlupfe dienten, sind sanierte Fassaden heute lückenlos dicht. Gut für die... lesen