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Kultur

Das Oldenburger Computer-Museum

  • 21. November 2025 | Alke zur Mühlen
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C64, Super Nintendo und Arcade-Halle – die Älteren katapultieren die Geräte in die Jugend zurück, während sich Jüngeren beim Retro-Spaß neuer Blickwinkel auf ihren digitalen Alltag eröffnen. Alle gemeinsam vergessen in der bundesweit einzigartigen Sammlung des Oldenburger Computer-Museums (OCM) schnell Raum und Zeit. Denn das Motto lautet: Ausprobieren erwünscht!

Ein plüschiges Wohnzimmer im schlichten Betonklotz, krasser könnte der Gegensatz nicht sein. Wer das OCM im vierten Stock des alten Postgebäudes am Bahnhof betritt, wird direkt in den Bann gezogen: Stilecht im Ambiente der 1970er und 1980er eingerichtete „Wohnzimmer“ bilden den Start- und Endpunkt der Dauerausstellung. Mit Plattensammlung, Bravo-Heften, Häkeldecke und mehr sind sie so detailverliebt gestaltet, dass sie fast einen eigenen Besuch wert sind.

Zeitreise durch die Heimcomputerentwicklung

Zwei Dekaden digitale Evolution können die Besucher:innen an 77 Stationen mit 161 Exponaten nicht nur sehen, sondern auch ausprobieren – und das für günstige zwei Euro Eintritt. Die Geräte werden auf Arbeitsplätzen präsentiert, in jeder Schreibtischschublade findet sich eine leicht verständliche Kurzanleitung. Das Team von Ehrenamtlichen hat sich kleine Projekte überlegt, die Aufgaben reichen von kleinen Programmcodes bis zum Spiele-Test. So wird spielerisch vermittelt, was die jeweilige Arbeitsweise der Exponate ausgemacht hat; getreu dem Motto: „Technik erleben. Geschichte begreifen. Zukunft gestalten.“

OCM Standort Bahnhofsplatz10

Das Computermuseum befindet sich im früheren Postgebäude direkt am Oldenburger Hauptbahnhof.

Der Sinclair ZX81, seiner Zeit der einfachsten Computer für Normalverdienende, hat einen Hauptspeicher von nur 1 Kilobyte. Die Folge: Als ersten Arbeitsschritt muss man den Programmcode eintippen. Das erste Tablet lohnt es sich auch mal anzuheben. Für reisende Versicherungsvertretende damals eine unglaubliche Erleichterung, denn sie konnten unterwegs Tarife berechnen oder auf dem winzigen 5-Zoll-Monitor Verträge ausfüllen. Elf Kilogramm neue Möglichkeiten – ohne Ton und Grafik. Vom schrankgroßen Digital PDP-11/34 mit Lochkarteneingabegerät bis zum Desktop ESCOM 386sx Blackmate wird Besucher:innen des OCM schnell klar, wie groß die Entwicklungsschritte in den letzten Jahrzehnten gewesen sind.

Magisch zieht es gerade Kinder und Jugendliche im Anschluss zu den Spielekonsolen. Die ersten sechs Generationen, von den 1970er- bis in die 2000er-Jahre, laden zum Daddeln ein. Und auch einige Spielhallen-Geräte dürfen ausprobiert werden. Im Rahmen der Veranstaltung „OCM Play“ öffnet regelmäßig die große Arcade-Halle mit Flippern, Racern und Videospielautomaten.

IN ZAHLEN

Das Oldenburger Computermuseum

5

Themenräume

mit Mini- und Microcomputern von 1970 bis 1991

161

Exponate

voll funktionstüchtig an 77 Stationen

6

Generationen

Spielekonsolen von 1972 bis 2002

1.000

qm Ausstellungsfläche

inklusive einer Arcade-Halle

450

qm Schau-Depot

und Veranstaltungsraum

370

Vereinsmitglieder

und viele ehrenamtliche Engagierte

Mehr als Museum: Lernort und Bühne

Das OCM öffnet dienstagabends und immer am zweiten Sonntag des Monats seine Türen. Führungen sind nach Absprache auch an anderen Terminen möglich. Dazu gibt es Konzerte, Lesungen und Vorträge, immer mit Bezug zu Medien oder Medienkompetenz. Das Computermuseum ist außerschulischer Lernort und bietet eigens für Klassen und Gruppen konzipierte Workshops, Vorträge und Führungen an – letztere auf Wunsch sogar „op plattdüütsch“. Das neue eröffnete Schau-Depot „OCM-Hub“ ist mit 450 Quadratmetern gleichzeitig auch Veranstaltungsraum für eigene Events sowie von Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen buchbar. Die dort untergebrachte Bibliothek mit Fachliteratur steht Vereinsmitgliedern und Forschenden zur Verfügung.

Vom Hobby zum Museum

Das Besondere am Oldenburger Computer-Museum: Das gesamte Angebot wird ausschließlich durch Ehrenamtliche getragen. Den Impuls gab der 3-D-Grafiker Thiemo Eddiks. „Als Kind durfte ich bei meinem Nachbarn programmieren lernen und war sofort fasziniert.“ Aus dem Hobby erwächst sein Berufswunsch. „In den 90er-Jahren wurden die Traumgeräte meiner Jugend auf Flohmärkten bezahlbar und ich habe angefangen, sie zu kaufen“, erklärt der Oldenburger. Mit dem Aufkommen von Ebay wächst seine Sammlung rasant. Er beginnt, sie auf Firmenfeiern als „Daddelecke“ aufzubauen – ein Highlight. Medien werden durch temporäre Ausstellungen auf ihn aufmerksam, es gibt Angebote für Sachspenden und immer mehr Interessierte. Schließlich wird ein gemeinnütziger Verein gegründet.

OCM Gruppenfuehrung

Lernen im Computermuseum: Für Gruppen gibt es ein eigenes Programm mit Vorträgen, Workshops und Führungen.

Aufsicht, Führungen, Werkstatt oder Inventarisierung – bis heute alles ehrenamtlich organisiert. „Das ist eine ganz tolle Gemeinschaft, die viel schafft“, ist der Vereinsvorsitzende Eddiks stolz. Von der Schülerin bis zum Rentner findet hier jede:r eine Aufgabe. Viele wachsen mit der Spezialisierung für bestimmte Geräte über sich hinaus. „Wir haben noch viele Ideen und freuen uns immer über neue Mitglieder.“

Crowdfunding Icon

Crowdfunding für Digitale Teilhabe

Auf der Plattform Betterplace.org sammelt das OCM Spenden, mit denen einen Bildungsstelle – zunächst für ein Jahr – teilfinanziert werden soll.


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Praxisnahe Bildungsarbeit

Für die wachsende Bildungsarbeit plant das OCM eine feste Koordinations- und Bildungsstelle einzurichten, die sich um kostenlose Workshops und Kurse, inklusive Bildungsangebote sowie Netzwerkarbeit mit regionalen IT-Unternehmen kümmert. „Schulen schaffen es nicht immer, Informatik praxisnah zu vermitteln – oft fehlen Zeit, Ausstattung oder qualifiziertes Personal“, erklärt der Initiator. Dabei ist Informatik-Unterricht inzwischen in Niedersachsen Pflicht. Im OCM als interaktiven Lernort können Jugendliche digitale Systeme verstehen, erleben und mitgestalten. „Wir vermitteln nicht nur, wie Computer funktionieren – sondern warum sie unsere Gesellschaft verändern. Das ist kulturelle Bildung im digitalen Zeitalter.“
 

Infos zum Besuch

Öffnungszeiten:

  • jeden Dienstag von 18 bis 21 Uhr.
  • am zweiten Sonntag jeden Monats von 14 bis 17 Uhr
  • Besuche und Führungen außerhalb dieser Zeiten auf Anmeldung

Eintritt:

  • 2 €
  • freier Eintritt für Vereinsmitglieder, Personen mit amtlichem Schwerbehindertenausweis und Mitglieder von ICOM und dem Museumsverband Niedersachsen/Bremen
  • Rollstuhl- und Rollatornutzer:innen erreichen das OCM über einen Personenaufzug barrierefrei. Im Museum gibt es ein barrierefreies WC.

Weitere Infos und Veranstaltungsprogramm: www.computermuseum-oldenburg.de

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