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Soziales
Agenda 2025 für ein altersgerechtes Oldenburg
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22. Dezember 2025 | Alke zur Mühlen
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Selbstbestimmt leben und wohnen, gut integriert sein und sicher versorgt bleiben — das wünschen wir uns alle bis ins hohe Alter. Die Stadt Oldenburg nimmt mit der Agenda 2025 und dem Konzept „Selbstbestimmt und mittendrin!“ Kurs auf ein altersgerechtes Oldenburg.
Bis 2050 werden etwa 40 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein — 11 Prozent sogar über 80. Eine Chance und Herausforderung für alle, denn vielerorts fehlen noch altersgerechte Strukturen. Die Stadt Oldenburg hat konkrete Ziele und Maßnahmen beschlossen, um diese Transformation der Gesellschaft zu einem Gewinn für alle zu machen. Grundlage war ein Beteiligungsprozess. Susanne Jungkunz hat ihn als Teamleiterin Strategische Sozialplanung der Stadt Oldenburg federführend begleitet. Sie stellt im Interview vor, was die Stadt sich vorgenommen hat und wie Menschen sich engagieren können. Ein Ziel: Gerade ältere Menschen mit kleinerem Einkommen sollen davon profitieren.

Seit 2013 ist Susanne Jungkunz bei der Stadt Oldenburg für die Strategische Sozialplanung zuständig und koordiniert die Umsetzung der städtischen Vision der Inklusion und Teilhabe.
Frau Jungkunz, bevor wir in die Zukunft blicken: 2024 haben Sie eine Umfrage zur Altersfreundlichkeit der Stadt gemacht. Welche Erkenntnisse konnten Sie daraus ziehen?
Susanne Jungkunz: Angelehnt an die Anforderungen der WHO an altersgerechte Städte haben uns über 900 Oldenburger:innen ab 65 Jahre Fragen zu einem breiten Themenspektrum beantwortet. Im Ergebnis und Vergleich mit anderen Kommunen haben wir in Oldenburg gut abgeschnitten, insbesondere im Bereich „Wohnen“. In anderen Bereichen wie „Kommunale Unterstützung und Gesundheitsversorgung“ und „Soziale Teilhabe“ wurde jedoch nur teilweise Zufriedenheit festgestellt. Die systematische und räumliche Auswertung zeigt Unterschiede zwischen den Stadtteilen und Personengruppen: Männer, Personen mit höherem Bildungsgrad, Wohneigentümer:innen und Personen, die nicht allein leben, sind generell zufriedener. Bei den Freitextantworten wurden Themen wie Barrierefreiheit, Sorgen bei Notlagen sowie die Belastung pflegender Angehöriger benannt.
Agenda 2025
Selbstbestimmt und mittendrin!
Am 30. Juni 2025 hat der Rat der Stadt Oldenburg mit der „Agenda 2025: Selbstbestimmt und mittendrin! – Handlungskonzept für ein altersgerechtes Oldenburg“ einen wichtigen strategischen Rahmen beschlossen. Das Konzept zeigt auf, wie die Stadt dem demografischen Wandel aktiv begegnen will: gemeinschaftlich gedacht, sozial ausgerichtet und mit dem Anspruch, Chancen ebenso mitzunehmen wie Herausforderungen vorausschauend anzugehen.
Das Motto der Agenda 2025 ist „Selbstbestimmt und mittendrin“. Was sind die wichtigsten Handlungsfelder?
Jungkunz: Wir haben vier klare Schwerpunkte, die wir alle gemeinsam angehen müssen, aber natürlich mit unterschiedlichen Verantwortlichen. Das erste ist „Information und Beratung, gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation“. Die Angebote für Unterstützung und Engagement in Oldenburg sollen bekannter werden, sowohl durch klügere Kommunikation von uns als Verwaltung als auch durch aktives Nachfragen der Bürger:innen. Gerade bei sensiblen Themen wie Pflege oder Altersarmut ist der erste Schritt oft schwer — doch Unterstützende begegnen mit Respekt und helfen gerne.
Das zweite Handlungsfeld ist „Gesundheitliche und pflegerische Versorgung“. Auch hier müssen Angebote – auch schon zur Prävention – bekannter werden, besser zugänglich und vor allem ausgebaut. Das ist die größte Herausforderung der nächsten Jahre und erfordert ein hohes Engagement vieler Akteure. Wichtige Bausteine sind: Fachkräfte für Pflege gewinnen und halten, Angehörige unterstützen sowie Nachbarschaften, Wohnprojekte und Netzwerke ehrenamtlicher Hilfe stärken. Und nicht zuletzt ein generationsübergreifendes Gesellschaftsbild, das von Zugehörigkeit geprägt ist.
Was sind die weiteren beiden Handlungsfelder?
Jungkunz: Zum einen „Wohnen und Mobilität“. Gerade ältere Menschen brauchen bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum. Ob individuell mit entsprechenden Hilfssystemen oder in flexiblen Wohnformen wie Mehrgenerationen-Wohnprojekten oder Wohn-Pflege-Einrichtungen. Bestandsimmobilien müssen auch mit Blick auf den demografischen Wandel zukunftsfähig aufgestellt werden. Und Mobilität bis ins hohe Alter braucht ein sicheres, bezahlbares ÖPNV-Angebot, barrierefreie Wege und vor allem gegenseitige Rücksichtnahme. Wenn etwa der barrierefrei zugängliche Bus erst losfährt, wenn die ältere Person mit Rollator sicher sitzt – und die Mitfahrenden das geduldig abwarten – wird es richtig.
Das letzte Handlungsfeld ist „Steuerung und Vernetzung“. Für die Arbeit an der Vision braucht es gut abgestimmte Netzwerke aus professionellen Akteur:innen und Fachleuten „in eigener Sache“: den älteren Menschen selbst. Oldenburgs Pluspunkt ist, dass die Stadt nicht zu groß ist. Man kennt und hilft sich. Trotzdem ist das Feld komplex, muss Zusammenarbeit gut gesteuert werden, gerade wenn neue Kooperationen gefragt sind. Auch deshalb wurden zur Agenda-Entwicklung verschiedene Akteur:innen aus der Stadtgesellschaft eingebunden: aus Verwaltung und überregionalen Netzwerken, lokalen Senior:innenvertretungen, dem Behindertenbeirat, den Wohlfahrtsverbänden, der Wirtschaft, sowie Wissenschaft und Engagement.

Begleitgruppe der Stadtverwaltung: Kolleg:innen verschiedener Ämter begleiten den Umsetzungsprozess. Foto: Stadt Oldenburg
Infos online
Projektbericht Altersfreundliches Oldenburg
Die Übersetzung des Altersfragebogens und die damit zusammenhängenden Ergebnisse
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Oldenburg 2050 I 2035 (ISEK)
ISEK Oldenburg 2050 | 2035
Was macht altersgerechte Strukturen jenseits barrierefreier Wohnungen aus?
Jungkunz: Auch das Umfeld muss gut erreichbar und zugänglich sein. Ein funktionierendes Quartier braucht starke Nachbarschaft und vielfältige Unterstützungsangebote: von Nachbarschaftshilfe über Freizeitangebote bis zur Nahversorgung mit Geschäften, Apotheken und Treffpunkten. In Oldenburg setzen wir auf Quartiere, in denen ältere Menschen sich einbringen und auf lokale Hilfen zählen können. Gemeinschaft erleben und Einsamkeit abbauen, das ist allen Generationen wichtig. Wir als Verwaltung unterstützen dies mit Rat und Tat. Etwa mit dem Konzept „Orte für Alle – Treffpunkte in Oldenburg“. Wir wollen vorhandene Begegnungsorte sichtbar machen und mithelfen, neue zu schaffen. Auch Investoren können aktiv werden, zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern Gemeinschaftsräume einplanen, wie es die GSG OLDENBURG es bereits an einigen Orten tut. Gut gestaltete Grünflächen rund um Gebäude schaffen Aufenthaltsqualität für alle Generationen – oft mit geringem Aufwand.
Welche gelungenen Beispiele gibt es in Oldenburg schon?
Jungkunz: Auf unserer städtischen Webseite „Älter werden“ ist von „A“ wie Altenhilfeprojekt im Stadtteil über „I“ für Inklusives Quartiersmanagement bis hin zu „S“, wie Senioren- und Pflegestützpunkt vieles zu finden. Und wer sich im Umgang mit den digitalen Medien noch schwertut: Eigene Enkelkinder oder „Leih-Enkel“ aus der Nachbarschaft finden sich bestimmt!
Infos online
Älter werden in Oldenburg
Webseite der Stadt
Der Soziale Stadtplan
Die interaktive Übersicht hilft, soziale Angebote, Orte für alle und Initiativen zum Mitmachen zu finden. Aktuell sind etwa 500 Angebote für alle Lebenslagen verzeichnet.
Welche Pläne gibt es mit Blick auf Menschen mit geringer Rente?
Jungkunz: Die Frage nach den Teilhabemöglichkeiten älterer Menschen, oft Frauen mit geringem Einkommen, ist wichtig! Hier muss in den nächsten Jahren noch mehr getan werden. Aus Sicht der Kommune ist es wichtig, finanzielle Leistungen gut und besser bekannt zu machen und kostenlose Angebote zu bewerben. Zudem sollte in diesem Zusammenhang für das Thema „Scham überwinden“ sensibilisiert werden. Betroffene hingegen müssen selbst die Initiative ergreifen, um Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich aktiv in Netzwerke oder Beratungsangebote einzubringen.

Die Rollstühle sind an verschiedenen Stellen im Oldenburger Stadtgebiet ausleihbar. Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung, der Oldenburg Tourismus und Marketing GmbH sowie des COREs stellten das Projekt vor. Foto: Sascha Stüber
Wie wirkt sich die Agenda 2025 auch über die Zielgruppe hinaus positiv auf Oldenburg aus?
Jungkunz: Die Transformation hin zu einem altersgerechten Oldenburg betrifft uns alle früher oder später – und ist eben nicht nur eine Aufgabe für ältere Menschen. Darüber hinaus stärken die Aktivitäten zur Förderung von Nachbarschaften und die Unterstützung von sozialen Netzwerken das Gemeinschaftsgefühl in Oldenburg insgesamt, was letztlich allen zugutekommt. Wenn ältere Menschen länger selbstbestimmt leben können, wird die Gesellschaft insgesamt resilienter und sozialer. Zudem schaffen wir durch den Ausbau von klimagerechter Infrastruktur und barrierefreiem Wohnraum eine Stadt, die zukunftsfähig ist – für alle, unabhängig vom Alter.
Wie können Vermieter:innen zum Gelingen beitragen?
Jungkunz: Gerade die Wohnungsbaugesellschaften sind wichtige Partner und Akteure – aber nur, wenn sie eng an den sich verändernden Bedürfnissen ihre Mieterschaft dran sind. Sie können auch solidarische Wohnprojekte gestalten, wie es die GSG zum Beispiel mit der Hausgemeinschaft "Alt + Jung" am Rügener Ring seit 1995 bereits tut. Aber auch die Standorte des Wohnens mit Service, mitten im Herzen der Stadtteile, sind gute Beispiele. Und zu guter Letzt: Die soziale Betreuung der Mieterschaft ist gerade für die Älteren, deren Familien nicht verfügbar sind, wichtig. Hier kann unterstützt werden, Kontakte in die Nachbarschaften, zu Initiativen und Angeboten vor Ort zu knüpfen.
Was sind die nächsten Schritte – und wie können Bürgerinnen und Bürger sich weiter beteiligen?
Jungkunz: Die Umsetzung läuft bereits. Ein Herzensprojekt und Schlüssel zur Bewältigung der demografischen Herausforderung sind die lebendigen und vielfältigen Quartiere und guten, solidarischen Nachbarschaften. Gerade hierbei sind die Bürger:innen sehr herzlich aufgefordert, sich aktiv einzubringen. So sind zum Beispiel die Sportvereine, Nachbarschaftsgruppen, Klöntreffs, Gemeinwesenarbeiten, Religionsgemeinschaften, Stadtteiltreffpunkte für Ältere und viele mehr immer offen für neue Menschen. Machen Sie den ersten Schritt – es lohnt sich!
Herzlichen Dank für das Gespräch.
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