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Seit 70 Jahren das Oldenburger Original

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Seit 70 Jahren das Oldenburger Original
  • 10. Juni 2026 | Tamara Zimdahl
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Wer regelmäßig durch die Oldenburger Fußgängerzone schlendert, kann ihn gar nicht übersehen: Ein bunt geschmückter Handwagen, künstliche Blumen, ein Sonnenschirm und eine Gitarre – Waldemar gehört für viele zum Stadtbild wie der Lappan oder das Schloss. Wir haben uns mit dem langjährigen GSG-Mieter getroffen und über seine beeindruckende, fast 70-jährige Straßenmusik-Vergangenheit gesprochen.

Fast jeden zweiten Tag schiebt der 86-jährige seinen besonderen Wagen durch die Innenstadt. Am liebsten steuert er seinen festen Stammplatz an der Ecke Schüttingstraße/Lange Straße an, direkt beim Tabakladen Niemeyer. Schon von weitem erkennt man ihn an seiner unverkennbaren Sonnebrille, der Cap, seiner Gitarre und der Mundharmonika, die ihm um den Hals hängt. All die kleinen Dinge, die seinen Auftritt unverwechselbar machen. „Die kennen mich alle“, sagt er mit einem herzlichen Lächeln. Tatsächlich scheint es kaum einen Ort in der Fußgängerzone zu geben, an dem er nicht gegrüßt, angesprochen oder wiedererkannt wird.

Eine ältere Person mit weißer Kappe und Brille steht in einer Wohnungshalle und spielt ein kleines Akkordeon, davor eine mit Blumen geschmückte Wagenkonstruktion.

Mit seinem auffälligen Handwagen, der Cap und der Gitarre ist Waldemar für viele Oldenburger:innen seit Jahrzehnten ein vertrauter Anblick in der Innenstadt.

Ein Leben für die Straßenmusik

Dabei ging Waldemar immer seinen ganz eigenen Weg. Schon als Jugendlicher wollte er Straßenmusiker werden. Seine erste Gitarre bekam er damals von einem Lehrer geschenkt. Während andere einen klassischen Beruf lernen sollten, hatte der gebürtige Ostpreuße früh einen anderen Plan. „Ich wollte Straßenmusikant werden“, erzählt er noch heute überzeugt. Seit fast sieben Jahrzehnten gehört die Musik nun schon zu seinem Alltag und ist aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken. 

Sein Repertoire ist dabei breit gefächert und reicht von bekannten Schlagern bis zu Liedern, die er auf seine ganz eigene Weise interpretiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Freude an der Musik und die Verlässlichkeit, mit der er seit Jahrzehnten zum Klang der Innenstadt gehört. Dass seine Musik nicht nur auf dem Pflaster funktioniert, zeigte sich 2011 bei Classic Meets Pop in der EWE Arena, wo er vor Tausenden Zuschauer:innen auftrat.

Große Ehre zum 80. Geburtstag

Ein ganz besonderes Highlight seiner langen Laufbahn war sein 80. Geburtstag. „Da wurde ich mit einer Festkutsche überrascht und durch die ganze Stadt gefahren“, erinnert er sich. Organisiert wurde dieses Geburtstagsgeschenk von der City Wache. Sogar Oberbürgermeister Jürgen Krogmann ließ es sich nicht nehmen, Waldemar persönlich zu gratulieren.

Und wenn er mal nicht an gewohnter Stelle musiziert, wird dies von aufmerksamen Passant:innen schnell bemerkt. So entstand 2025 sogar ein Reddit-Thread mit dem Titel „Wo ist Waldemar?“, in dem sich ein User nach den Spielorten des Musikers erkundigte und prompt zahlreiche Antworten von hilfsbereiten Oldenburger:innen bekam.

Oldenburger Kult

Längst ist der leidenschaftliche Musiker selbst zu einem lebendigen Stück Oldenburger Stadtgeschichte geworden. Neben zahlreichen Berichten in der Lokalpresse hat er mittlerweile sogar einen festen Platz im bekannten Oldenburger Wimmelbuch erhalten – eine Ehre, die nur echten Originalen zuteil wird.

Waldemar schafft sich mit seiner Gitarre eine ganz eigene, unbeschwerte musikalische Welt. Und genau diese herzliche Art ist es, die den Menschen in der Nachbarschaft und der ganzen Stadt seit Generationen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Wer im Oldenburger Wimmelbuch genau hinsieht, entdeckt Waldemar neben einer weiteren bekannten Persönlichkeit der Stadt.

bunte karikaturhafte stadtstraße mit vielen menschen, fahrrädern, kiosken und winkeln, vierstöckige bunte gebäude; im hintergrund eine fahrzeuge und eine person am fenster beobachtend

Zuhause in Kreyenbrück

So viel Trubel Waldemar in der Fußgängerzone sucht, so beständig ist sein Rückzugsort im Alltag. Seit er 1946 mit seiner Familie aus Ostpreußen nach Oldenburg kam, ist die Stadt seine Heimat. Sein fester Ankerpunkt außerhalb der Innenstadt war und ist dabei immer Kreyenbrück. Seit einem viertel VierteljJahrhundert wohnt Waldemar bereits bei der GSG OLDENBURG, kennt die Nachbarschaft rund um sein Zuhause im Stadtsüden in- und auswendig. Hier tankt er die Energie für seine Auftritte auf dem Pflaster. Wenn man ihn fragt, wie lange er noch mit seinem Blumenwagen durch die Stadt ziehen möchte, gibt es für das Oldenburger Original nur eine Antwort: „Ich mache weiter, solange ich stehen kann und mir die Musik Spaß bringt!“

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