Früh fürs Wohnen im Alter planen

Nordwest-Zeitung, Eilert Freese,17. Juni 2015

DEMOGRAFIE

GSG-Forum befasst sich mit "grauer Wohnungsnot" - Die meisten wollen nicht umziehen

Die Städte müssen sich auf mehr alte Menschen einstellen. Das Dorum diskutierte Ideen dafür.
Diskutierten über Wohnen im Alter (v.l.): Thomas Elsner (Awo), OB Jürgen Krogmann, Ursula Kremer Preiß (Kuratorium Deutsche Altershilfe), Göttingens OB Rolf-Georg Köhler und GSG-Chef Stefan Könner. Bild: Eilert Freese
OLDENBURG - Altersgerecht Wohnen in Oldenburg – aber wie? Diese Frage stand unter dem Motto „Droht eine neue Wohnungsnot?“ im Mittelpunkt des 3. Wohnforums der Bau- und Wohngesellschaft GSG am Montagabend im Theater Laboratorium. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sieht Oldenburg dabei in recht guten Schuhen: Die Stadt sei auf einem guten Weg, „die Zukunft für ältere Menschen in Oldenburg zu meistern“, sagte er.
 
Die Agentur „Ehrensache“ beispielsweise sei eine gute Plattform, um in Zukunft das Miteinander im Alter zu stützen und notwendige ehrenamtliche Helfer zu rekrutieren, meinte er. Denn: Alle Erfahrungen zeigten, dass Menschen im Alter dort bleiben möchten, wo sie sind. Das Netzwerk von Politik, Wirtschaft, Sozialverbänden und Initiativen müsse gestützt werden, um dies zu ermöglichen. „Wir müssen heute schaffen, was in Zukunft greift“, so Krogmann und nannte das „Bündnis für Wohnen“ als Plattform dafür.
 
Grundsätzlich waren alle Gesprächsteilnehmer sich einig: Ohne private Initiative, ohne Ehrenamt und ohne nachbarschaftliches Miteinander ginge gar nichts. „Der ‚Kümmerer“ müsse aber ein Profi aus den sozialen Institutionen sein“, sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, zuvor jahrelang Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau GmbH in Göttingen.
 
Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe nannte viele Beispiele für Wohnformen und „Wohnen im Quartier“. „Einige funktionieren ganz gut, aber machen Sie sich keine Illusionen, es dauert, bis sich nachbarschaftliches Miteinander entwickelt“, sagte sie. Das betreute Wohnen sei zwar das meist verbreitete System, das „Sie aber häufig verlassen müssen, wenn Sie schwer krank werden“, sagte sie. Sie berichtete auch von Alternativen – von einem Seniorendorf im nahen Meppen etwa, wo auf 19 000 Quadratmetern in 33 Häusern nur Menschen über 60 Jahre wohnen, und dem „Virtuellen Wohnprojekt Külz“, wo Menschen in ihrer Wohnung bleiben, aber über das Internet kommunizieren können.
 
Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Thomas Elsner, berichtete von einem Projekt in Emden, wo sowohl betreutes Wohnen als auch Pflegeeinrichtungen und seniorengerechte Wohnungen untergebracht sind. Auch Sozialstation und Kinderkrippe gehören dazu. „Eine Gemeinschaftseinrichtung für alle Generationen und Bedürfnisse“, so Elsner.
 
Im Laboratorium saßen nicht nur ältere Menschen im Publikum – was die Referenten freute. Denn: „Überlegen Sie früh genug, wie Sie im Alter wohnen wollen, später entscheiden Sie unter Druck oder andere Menschen bestimmen für Sie“, mahnte Göttingens OB Köhler. Die Einstellung „wird wohl nicht so schlimm werden“ sei nicht gut, sagte GSG-Chef Stefan Könner. Immer wieder war die Rede von „Vernetzung von Strukturen“ und „Aufbau von Nachbarschaftsvereinen“. „Sie brauchen Geduld, das können Sie nicht übers Knie brechen“, so Kremer-Preiß.